2010 ist in Südafrika Fußballweltmeisterschaft. Bevor sich vor aller Augen die Tore eines Stadions auftun, öffnen sich in Deutschland gleichzeitig viele unsichtbare Schleusentore, bevor die Mannschaften einlaufen, ergießt sich an verschiedenen Orten eine gewaltige Flut in die geschlossenen Turbinenröhren. Große Fernsehübertragungen wie zu einer Fußballweltmeisterschaft sind gegenwärtig ohne die Leistung von Pumpspeicherkraftwerken nicht durchführbar, ohne ihren zusätzlichen Strom blieben viele Bildschirme schwarz.
Zu welchen Zeiten wird wohl in Deutschland am meisten Strom verbraucht? Wann gibt es Spitzenlast, wann Unterlast? Wann laufen folglich in den Kraftwerken die Pumpen, wann die Generatoren? Die Frage klärt sich schon beim Blick auf die eigenen Gewohnheiten. Nach dem Aufstehen morgens hört man vielleicht Radio, duscht, dreht die Heizung hoch, kocht ein Ei oder wirft die Kaffeemaschine und den Toaster an. Allerdings stehen die Menschen in einem Land nicht völlig synchron auf. Dafür kochen tendenziell fast alle innerhalb der gleichen zwei Stunden zu Mittag, was diese Zeit zu einer verlässlich wiederkehrenden Spitzenlastzeit macht. Am frühen Abend wird wiederum viel gekocht, Licht angeschaltet, ferngesehen oder Musik gehört, telefoniert oder im Internet gesurft. Auch am Abend herrscht Spitzenlast, und das ist Wasser auf die Mühlen der Pumpspeicherkraftwerke. Unterlast ist vor allem nachts – hauptsächlich verbrauchen der Kühlschrank, Geräte im Standby-Betrieb, das Aufladen des Handys, vielleicht eine Heizung, nicht zu vergessen der Radiowecker – und Wasserpumpspeicher, deren Wasser nun wieder in ein oberes Becken gepumpt wird, um für den nächsten Morgen bereit zu sein, Strom.
Zählt Strom aus einem Wasserpumpspeichern zu den erneuerbaren Energien? Immerhin handelt es sich ja um Wasserkraft, und Wasserkraft zählt zu den erneuerbaren. Erneuerbar ist die Energie aus einem Wasserpumpspeicher doch schon per Definition, wenn sich Pumpen und Ablassen, Stromverbrauch und Stromerzeugung immer wieder aufs Neue abwechseln.
Bei näheren Hinsehen kann Strom aus Pumpspeicherwerken jedoch nicht zu den erneuerbaren Energieformen gezählt werden. Der Strom wird in ihm ja nur gespeichert, nicht erzeugt. Die Herkunft des Stroms, mit dem die Pumpen des Speicherkraftwerks betrieben werden, bleibt das einzige Kriterium. In der gängigen Praxis finden sich dennoch Einzelfälle, in denen zum Beispiel Atomstrom nachts in einen ausländischen Wasserpumpspeicher fließt, um tagsüber offiziell als Strom aus Wasserkraft wieder importiert zu werden. In solchen Fällen sind Wasserpumpspeicher nicht nur Energiespeicher, sondern geradezu „Stromwaschanlagen“.