Make Trade Fair
Die Qual der Wahl
Wieder einmal stehe ich in einem dieser überfüllten Klamottenläden in der Stadt und kann mich nicht entscheiden, welches T-Shirt ich kaufen soll. Das mit Kragen, das ohne. Oder doch lieber das gestreifte Hemd mit den roten Knöpfen? Nach langem Überlegen kaufe ich das T-Shirt ohne Kragen. Das ist am billigsten. Bei 5 Euro pro Stück, denke ich mir, kann man nicht viel falsch machen und verlasse zufrieden, mit einer großen bunten Plastiktüte beladen, das Geschäft.
Fehlerhafte Billigware
Doch meine Zufriedenheit verfliegt schnell, als ich zu Hause feststelle, dass das T-Shirt an der Naht bereits aufgeht. Ärgerlich krame ich in der Tüte nach dem Kassenzettel, der, wie soll es auch anders sein, unauffindbar ist. Vielleicht hätte ich doch ein paar Euro mehr für ein stabileres T-Shirt ausgeben sollen. Naja, jetzt bin ich schlauer und aus Fehlern, heißt es ja zumindest, kann man lernen. Vielleicht ja auch aus fehlerhaften T-Shirts.
Made in...
Doch woher kommen überhaupt all diese billigen Kleidungsstücke und wer produziert sie? Um dies herauszufinden, studiere ich das Schildchen hinten im T-Shirt, das mir normalerweise lästig ist, weil es immer so am Rücken kratzt. Doch heute bin ich froh darüber, weil es mir sehr hilfreich erscheint. Neben den unzähligen Waschhinweisen in allen möglichen Sprachen finde ich die Aufschrift: Made in ...
...Bangladesh
Doch was bedeutet das? Für mich bedeutet das, in einen Laden zu gehen und mir T-Shirts zu den billigsten Preisen kaufen zu können. Für eine Näherin in Bangladesh bedeutet es, täglich 12 Stunden unter miserablen Arbeitsbedingungen in einer schlecht beleuchteten Fabrikhalle Kleidungstücke herzustellen. Sie ist weder versichert noch werden ihr die Überstunden ausbezahlt. Made in Bangladesh bedeutet für sie mit einem Lohn von etwa 20 Euro im Monat auszukommen.
1% Lohnkosten - und der Rest?
Wer verdient denn dann eigentlich alles an meinem T-Shirt? Laut der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign = CCC) machen die Lohnkosten gerade mal ein Prozent des Gesamtpreises aus. Doch wohin gehen die restlichen 99%? 11% kosten Steuern und Transport, 13% sind Fabrikkosten und 25% fallen für die Werbung an. Doch den größte Teil, satte 50%, machen die Kosten und der Gewinn des Einzelhandels aus. Eigentlich liegt es auf der Hand, dass diese Aufteilung ungerecht ist und trotzdem kaufen wir die Produkte aus Bangladesh und anderen Billiglohnländern, weil es für uns einfacher und sparsamer ist.
Die Alternative - Fairtrade
Aber selbst wenn ich diese billige Kleidung nicht mehr kaufen möchte, was soll ich denn tun? Schließlich brauche ich ja etwas zum Anziehen. Eine Alternative zu billigproduzierter Kleidung sind Fairtrade-Produkte. Fairtrade bekämpft die Armut in Billiglohnländern, indem den Arbeitern und Arbeiterinnen geholfen wird ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Dies geschieht dadurch, dass sich alle Produzenten und Händler an gewisse Standards halten müssen. Diese Standards bauen sich auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales auf. Diese beinhalten unter anderem die Förderung des biologischen Anbaus, stabile Mindestpreise und das Verbot der Kinderarbeit. Nur wer sich an diese Standards hält, wird mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet.
Fairtrade - Faire Preise?
Jetzt muss ich mich wieder einmal entscheiden. Diesmal zwischen dem billigen Filialen-T-Shirt und dem zwar etwas teureren, dafür aber fair gehandelten T-Shirt. Ich entscheide mich für Letzteres, obwohl es mehr kostet. Dagegen habe ich die Garantie, dass es unter besseren Bedingungen hergestellt wurde. Zufrieden verlasse ich mit meiner Stofftasche den Laden. Auch zu Hause hält die Zufriedenheit an, denn mein neues T-Shirt zeigt keine Anzeichen erster Risse. Außerdem kann ich es mit gutem Gewissen tragen und das sind mir die paar Euro mehr wirklich wert.
"Fair ist mehr"
Unter diesem Motto finden vom 16. bis zum 30. September die Fairen Wochen 2011 statt. Eine gute Möglichkeit dich bei verschiedenen Veranstaltungen von Weltläden, Aktionsgruppen, Supermärkten und vielen anderen Anbietern näher über den Fairen Handel zu informieren. In ganz Deutschland werden vielfältige Aktionen rund um das Thema Fairtrade angeboten, an denen du dich beteiligen kannst. Genauere Informationen bietet die Website der fairen Woche. Einen Blick darauf zu werfen, lohnt sich!
Fair Shoppen
Fairtrade-Produkte werden vor allem in Weltläden verkauft. Diese gibt es für gewöhnlich in jeder Stadt. In Stuttgart gibt es zum Beispiel den Rakete Textilhandel an der Neuen Weinsteige 6b oder den Brandt Store in Stuttgart Mitte. Dort findest du Kleidung, die Fairtrade und trotzdem bezahlbar ist. Außerdem überraschen die Designs, die den typischen Fairtrade-Baumwoll-Klischees trotzen.
Für die Bequemeren unter euch gibt es auch Onlineshops, bei denen du fair bestellen kannst. Diese findest du hier: http://www.greenality.de/ http://www.unique-nature.com/
Der Preis meines T-Shirts
Aber was ist denn nun der Preis meines T-Shirts? Der Preis ist das, was du daraus machst. Du entscheidest, ob der Preis billig und ausbeuterisch oder annehmbar und fair ist. Es liegt bei dir, ob den Preis deines T-Shirts eine Näherin aus Bangladesh mit ihrem harten Leben bezahlt oder ob du bereit bist den Preis deines T-Shirts auf dich zu nehmen. Entscheide dich!
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