Rosige Aussichten für grüne Wirtschaft
Die Öko-Wende lässt sich fühlen – aber nicht überall greifen. Zwar bietet der Arbeitsmarkt immer mehr Jobs und Berufe im Umweltbereich, doch wie stark einzelne Branchen profitieren, lässt sich mitunter nur erahnen. Deutlich sind die Prognosen im Bereich der erneuerbaren Energien. Ende 2010 zählte die Branche bundesweit etwa 370.000 Beschäftigte – mehr als doppelt so viele wie 2004. Welche kurz- und langfristigen Auswirkungen ein Ausbau auf den deutschen Arbeitsmarkt hat, zeigt eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Mit Blick auf das Jahr 2030 untersuchten die Forscher Szenarien mit unterschiedlichen Exportannahmen. Das Ergebnis:Der anvisierte Ausbau erneuerbarer Energien auf knapp 32 Prozent des Endenergieverbrauchs führt in nahezu allen Fällen zu positiver Nettobeschäftigung. Unter verhaltenen Bedingungen rechnet die Studie mit 100.000, unter optimistischen mit 250.000 zusätzlichen Arbeitsstellen. Voraussetzung für Arbeitsplätze in Deutschland ist eine langfristige Technologie-Führerschaft auf den Exportmärkten, betont Andreas Löschel, Experte für Umweltmanagement am Zentrum für Wirtschaftsforschung.
Arbeitskraft dringend gesucht
Wachstum erwartet Theo Bühler für den Standort Nordrhein-Westfalen, wo rund 25.000 Arbeitsplätze zur Branche erneuerbarer Energie gehören. Potenzial sieht der Geschäftsführer des Wissenschaftsladens Bonn vor allem in der Windkraft. Rund 10.000 Beschäftigte sind bislang landesweit in Zuliefererbetrieben oder als Service-Kräfte mit der Installation, dem Betrieb und der Wartung der Anlagen beschäftigt. Mit drei Prozent liegt der Anteil der Windenergie in NRW unter dem Bundesdurchschnitt. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist, diese Quote deutlich anzuheben. „Bis 2020 könnte der Anteil 15 Prozent betragen“, sagt Bühler. Profitieren würden Techniker wie Ingenieure, aber genauso auch Personal zur technischen Wartung. Auf der Job- und Bildungsmesse Erneuerbare Energien, die im Mai in Gelsenkirchen stattfand, suchten Windkraft-Betreiber händeringend nach Arbeitskraft, berichtet Bühler.
Steigende Nachfrage
Vielversprechend entwickelt sich auch der Bereich der energetischen Gebäudesanierung. Bereits heute machen Modernisierungsmaßnahmen im Bestand fast 80 Prozent der Arbeiten in der Baubranche aus. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung entspricht das einem Auftragsvolumen von 115,91 Mrd. Euro. Wenn allein die wirtschaftlich lohnenden Sanierungsmaßnahmen in Zukunft umgesetzt werden, ist mit einer Erhöhung der Nachfrage nach entsprechenden Leistungen und damit nach Fachkräften zu rechnen. Wird nur die Hälfte des oben genannten Auftragsvolumens in die energetische Gebäudesanierung investiert, lässt sich der Beschäftigungseffekt laut einer Studie des Umweltbundesamts auf derzeit mehr als 900.000 Personenjahre beziffern.Ein Personenjahr entspricht der Beschäftigung von einer Person über ein Jahr mit der in der jeweiligen Branche üblichen Wochenarbeitszeit.
Nachhaltig kleiden
Öko wuchert überall. Tourismus, Geldanlagen, Kosmetik, Strom, Lebensmittel, IT oder Beratung: Das alles gibt es auch in grün. Ebenso die zweite Haut. In Wallau ist mit der Innatex Europas größte Fachmesse für nachhaltige Textilien zuhause. Kürzlich stellten hier 250 Aussteller aus 20 Ländern aus. Die Frankfurter Heimtextil, die größte internationale Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien, präsentierte in diesem Jahr erstmals den „Green Directory“. In dieser Broschüre sind die Aussteller zusammengefasst, die Stoffe aus ökologischen Materialien anbieten oder im Zuge der Herstellung Kriterien der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Laut einer Studie, die von der Messe Frankfurt beauftragt wurde, liegt das Marktvolumen für nachhaltige Textilien im Bereich Bett und Bad bei 40 bis 80 Mio. Euro. Gerechnet wird mit einer jährlichen Wachstumsrate von zehn Prozent. Damit ergäbe sich in Deutschland nach konservativer Prognose bis 2015 ein Marktpotenzial von 50 bis 130 Mio. Euro. Viel Arbeit für die neuen Ökos.
Frage: Welche Produkte wünscht ihr euch in einer nachhaltigen Form?
Neue Mitglieder
Neueste Kommentare
-
Gute Idee, schlecht umgesetzt?
-
2.Veggitag - Enttäuschend
-
Hallo!Worüber genau
