Umweltfreund und dennoch pro Atomkraft. Wie ist das möglich?

Frage eines Utopia-Users: Umweltfreund und dennoch pro Atomkraft. Wie ist das möglich?

Beantwortender Experte: Boris

Antwort: Die Atomkraft ist etwas, deren Gefahr wir heute noch nicht vollkommen einschätzen können. Klar, wir können heute noch nicht vollkommen auf diesen Energieträger verzichten. Schließlich wollen wir, dass Strom aus unserer Steckdose kommt – sei es, damit der Computer funktioniert oder wir uns die Zähne mit der elektrischen Zahnbürste putzen können. Doch die Atomkraft, die uns das (natürlich zusammen mit den anderen Energieträgern) ermöglicht, kann gefährlich sein. Man mag sich nur einmal an Tschernobyl erinnern. Die Auswirkungen der Katastrophe sind heute noch vorhanden. Und dennoch gibt es Umweltfreunde und Umweltaktivisten, die pro Atomkraft sind. Das prominenteste Beispiel hierfür ist unter anderem Patrick Moore, ein Gründungsmitglied von Greenpeace.

Um nun zu verstehen, weshalb diese Meinung durchaus gerechtfertigt sein kann, muss man die Argumente für und gegen diesen Energieträger selbst gewichten – diese Aufgabe kann einem niemand abnehmen. Es ist hinreichend bekannt, dass durch Kernspaltung kein CO2, dafür jedoch radioaktiver Abfall entsteht. Man kann jedoch keine eindeutige Antwort geben, was letzten Endes für unsere Umwelt schlimmer ist. Prinzipiell hängt das davon ab, was man für Akzente setzt. Das durch Kohlekraftwerke produzierte CO2 wird sofort in die Luft geblasen, wodurch sich unser Klima langanhaltend verändert.

 

Bei Kernkraftwerken hingegen ist das nicht der Fall. Unser Klima wird aufgrund des nicht anfallenden CO2s hierbei nicht geschädigt und langanhaltend verändert. Das große Problem bei Atomkraftwerken ist jedoch, dass es für den anfallenden Atommüll (auch wenn dieser mit ca. 1-2 Tonnen pro Jahr und Kraftwerk recht wenig erscheint) genaugenommen weltweit noch kein einziges Endlager gibt. Der Müll wird bislang in Castoren (Abkürzung für „Cask for storage and transport of radioactive material“) gelagert. Das sind besondere Behälter, die die Strahlung des Atommülls „abfangen“ sollen. Da dieser Atommüll jedoch außergewöhnlich schädlich sein kann, wenn er nicht ordnungsgemäß zwischengelagert wird und ein Endlager immer noch nicht existiert, steht die Atomkraft immer wieder heftig in Kritik.

 

Fazit: Nun bleibt aber immer noch die Ausgangsfrage offen. Was man mit Sicherheit sagen kann: Auch die meisten Umweltschützer wollen Strom aus ihren Steckdosen, und den meisten dürfte klar sein, dass wir heute noch abhängig von Kohle und Uran sind, da ein vollkommener Ausstieg von fossilen Energieträgern schlichtweg noch nicht möglich ist. Beim bewussten Abwägen der Risiken kann durchaus auch von einem Umweltschützer das Urteil gefällt werden, dass Atomkraft für den heutigen Stand der Technik (natürlich neben den bereits vorhandenen regenerativen Energiequellen) das geringste Übel ist, wenn Wert auf einen Rückgang (oder zumindest keine Verschlimmerung) des Klimawandels gelegt wird.

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