Corona-Jahr 2020: Top Luftwerte

Geringste Feinstaubbelastung der letzten 30 Jahre + nur noch wenige Städte über Stickstoffdioxid-Grenzwert + unterdurchschnittliche Ozonbelastung 

Doch was hat die Pandemie mit der positiven Entwicklung zu schaffen?

Feinstaub hat erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit. Laut Schätzungen der Europäischen Umweltagentur konnten 2018 in Deutschland etwa 63.100 vorzeitige Todesfälle auf die Belastung der Bevölkerung mit kleineren Partikeln (PM2.5) zurückgeführt werden. Für Stickstoffdioxid (NO2) waren es 9.200 und für Ozon 4.000 vorzeitigen Todesfälle.
Schauen wir uns die Konzentrationen in der Luft für 2020 im Einzelnen an:

Feinstaub

2020 war das am geringsten mit Feinstaub belastete Jahr seit Beginn der Feinstaubmessungen Ende der 1990er Jahre. Die Feinstaubgrenzwerte werden für größere Partikel (PM10) und die feinen PM2,5 gemessen. Beide wurden 2020 deutschlandweit eingehalten. 

Aber Obacht, warnt das Umweltbundesamt (UBA): Die Grenzwerte für Feinstaub sind mehr als 20 Jahre alt. Sie bedürfen dringend einer Anpassung. Aktuell empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die PM10-Konzentrationen den Wert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m3) im Jahresmittel nicht überschreiten sollen. An etwa vier Prozent aller Messstationen lagen die Werte 2020 darüber. 2019 waren es 13 Prozent. Die Empfehlung der WHO in Bezug auf die Tagesmittelwerte – höchstens drei Tage pro Jahr über 50 μg/m3 im Tagesmittel – verfehlten rund 12 Prozent aller Messstationen 2020 in Deutschland. 2019 lag der Wert bei 36 Prozent. 


Quelle: UBA

Ein Gesundheitsrisiko aber sind vor allem die PM2,5 – aufgrund ihrer geringen Größe. Die feinen Partikel können tiefer in die Atemwege eindringen, dort länger verbleiben und die Lunge nachhaltig schädigen. Die WHO-Empfehlungen für die PM2,5 wurden im Jahr 2020 deutlich überschritten: An 86 % aller Stationen lagen die PM2,5-Tagesmittelwerte an mehr als drei Tagen über der Schwelle von 25 μg/m3, und immerhin 11 Prozent [xlsx-Datei] über der Schwelle von 10 μg/m3 für das Jahresmittel. 

Einfluss von Corona auf die Feinstaubkonzentration

Die außergewöhnlich geringe Feinstaubbelastung im Jahr 2020 ging mit einem extrem milden und feuchten Winter einher: Der Winter 2020 war laut Deutschem Wetterdienst der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn. Auch die Monate November und Dezember waren milder als normal. Gerade bei typisch winterlichem Wetter aber sind die Feinstaubwerte hoch. 

Dagegen hatten die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nur einen geringen Einfluss auf die Feinstaubkonzentrationen. Das liegt vor allem daran, dass der Straßenverkehr wesentlich weniger zur Feinstaubbelastung beiträgt. 

Stickstoffdioxid (NO2)

In 2020 haben voraussichtlich deutlich weniger als zehn Städte den Jahresmittelgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) von 40 μg/m3 Luft überschritten. Schon jetzt steht fest, dass München und Hamburg zu diesen gehören. Für Baden-Württemberg geht das Umweltbundesamt (UBA) davon aus, dass Stuttgart und Ludwigsburg dabei sein werden. Die endgültigen Werte werden im Mai 2021 erwartet. Im Jahr 2019 hatten noch 25 Städte den NO2-Grenzwert überschritten.

Hauptquelle der Stickstoffoxide in Städten ist der Straßenverkehr – vor allem Diesel-Pkw. Nur moderne Diesel-Pkw der Abgasnormen Euro 6d-TEMP und Euro 6d emittieren deutlich weniger Stickstoffoxide. Das UBA zeigt, dass Softwareupdates und Erneuerung der Dieselfahrzeuge im Jahr 2020 zusammen eine deutliche Minderung von rund drei Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter bewirkten. Davon sind rund zwei Drittel auf die neuen, deutlich saubereren Fahrzeuge zurückzuführen, ein Drittel auf die Softwareupdates. 

Zudem sanken die  die mittleren NO2-Konzentrationen durch lokale Maßnahmen wie:

  • Tempolimits und Fahrverbote 
  • Einsatz schadstoffärmerer Busse

und durch

  • meteorologische Einflüsse
  • Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie (in geringem Umfang)

Einfluss von Corona auf die NO2

Die an verkehrsnahen Messstationen in Städten gemessenen NO2-Konzentrationen sanken im Zeitraum des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 im Mittel um 20 bis 30 Prozent. Abhängig vom jeweiligen Verkehrsrückgang und den meteorologischen Randbedingungen fiel die Abnahme regional und lokal jedoch sehr unterschiedlich aus. Da sich der Verkehrsrückgang durch den Lockdown vor allem auf den Zeitraum von vier Wochen (23.3. bis 19.4.) beschränkte, ist der Einfluss auf die NO2-Jahresmittelwerte gering und der zugehörige Rückgang sollte in etwa bei einem Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft, oder darunter liegen. 

Ozon

Im Vergleich zu den letzten 20 Jahren war 2020 ein eher unterdurchschnittlich mit Ozon belastetes Jahr. Der Alarmschwellenwert von 240 μg/m3 wurde nicht überschritten. Zu Überschreitungen der Informationsschwelle von 180 μg/m3 kam es an 13 Tagen.

Die Überschreitungen der Informationsschwelle treten von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich oft auf. So ragt beispielsweise der „Jahrhundertsommer“ 2003 deutlich heraus. Grund für die starken Schwankungen ist die hohe Abhängigkeit vom Wetter. Denn Ozon wird im Gegensatz zu Feinstaub und Stickstoffdioxid nicht direkt emittiert, sondern aus bestimmten Vorläuferstoffen (Stickstoffoxide und flüchtige organische Verbindungen) bei intensiver Sonneneinstrahlung gebildet. 


Weitere Infos findest Du hier.

Die aktuelle Luftqualität an der Messstation in Deiner Nähe kannst Du hier ablesen.

Infos zu den gefährlichen P2,5 gibt’s hier.

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