#PassTheMic to Ado

Klimaschutz in Australien

Millionen von Menschen spüren tagtäglich die Auswirkungen des Klimawandels am eigenen Leib. Wir waren in den vergangenen Wochen mit sechs Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten aus der ganzen Welt im Austausch. Alle sechs erleben den Klimawandel in verschiedenem Ausmaß und versuchen auf ihre Weise die Folgen abzumildern.

Am 8. Dezember 2020 sprachen wir im Rahmen der Reihe #PassTheMic mit Ado, einem jungen Aborigine, über Buschfeuer in Australien und was man dagegen tun kann. Ado ist Experte für die Technik des „Kontrollierten Abbrennens“.

Die Buschbrände in Australien 2019

How do we sleep while our beds are burning. In den 80er Jahren eroberte der Song „Beds are burning“ der australischen Band „Midnight Oil“ die Charts auf der ganzen Welt. Dieser Song thematisiert unter anderem die Landnahme durch die Kolonialherren.

Aus heutiger Sicht klingt der Vers How do we sleep while our beds are burning, der diesem Song entstammt, wie eine düstere Vorahnung. Diese Metapher scheint angesichts der verheerenden Buschbrände in Australien, Realität geworden zu sein.

In den europäischen Herbst- und Wintermonaten entfachen sich jedes Jahr aufs Neue extreme Buschbrände in Australien. Hitze und Dürre nehmen immer mehr zu. Australien ist von Naturkatastrophen gebeutelt. 2019 trafen zwei Faktoren zusammen: Extrem hohe Temperaturen und geringe Niederschläge. Obwohl Waldbrände in Australien üblich sind, sind derartige Waldbrände wie 2019 außergewöhnlich. 

Ado kommt aus Jervis Bay...

Das liegt drei Auto-Stunden entfernt von Sydney. Er gehört zu den Stämmen der Yuin und Thungatti, die an der Südküste von New South Wales angesiedelt sind. Ihr größtenteils bewaldetes Land befindet sich in einer gemäßigten Klimazone.

Als Ursache für die Buschbrände 2019 nennt Ado folgende Gründe:

  • Die Ökosysteme in Australien sind nicht mehr intakt und krank. Als eine Folge davon hat sich dort über Jahre hinweg viel Brennmaterial, wie Blätter, Äste und Buschwerk, angesammelt.
  • Die Biodiversität hat abgenommen. Unter diesem Begriff versteht man sowohl die Artenvielfalt, d.h. die unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten, als auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, sowie die verschiedenen Lebensräume bzw. Ökosysteme, in denen Arten leben.
  • Lange Zeit hat die Regierung kein Landmanagement betrieben, d.h. sich nicht um das Land gekümmert und z.B. keine kontrollierten Brände gelegt, um die unkontrollierten Buschfeuer zu verhindern. Die Regierung griff immer erst dann ein, wenn das Feuer sich Städten und Häusern näherte.

Die Aborigines und ihr Verhältnis zur Natur

Die Kultur der Aborigines ist untrennbar mit der Natur verbunden. Sie begreifen sich selbst als Teil der Natur und pflegen eine enge Verbindung zu ihr. Sie betrachten sie als Mutter, als Familie, die alles für sie bedeutet. Alles, was die Ureinwohner Australiens benötigen, bekommen sie von der Erde. Im Gegenzug begegnen sie ihr mit Respekt und geben ihr, was sie braucht.

Aborigines lesen die Natur, um herauszufinden, was sie benötigt. Dabei befinden sie sich mitten in der Natur, berühren Dinge, betrachten sie. Sie wissen, welche Tierarten im jeweiligen Ökosystem beheimatet sind und was ihre Nahrungsgrundlage bildet. Außerdem analysieren sie die Beschaffenheit und Farbe des Bodens. Sie wissen, welcher Baum welchen Boden bevorzugt und welche Art von Gras in diesem Bereich wächst. Auf diese Art und Weise können sie herausfinden, ob ein Ökosystem gesund ist oder nicht, und folglich, ob es sinnvoll ist, es abzubrennen oder nicht. 

Kontrollierte Buschfeuer reduzieren die unkontrollierten

Angesichts der verheerenden Waldbrände in Australien fordern immer mehr Bewohner Australiens ein verbessertes Feuermanagement. Hier könnte die Expertise der Aborigines helfen. Ado berichtet uns von der Jahrtausende alten Praxis der indigenen Bevölkerung, kontrollierte Feuer zu legen. Während die australische Feuerwehr die Brände mit mobilem Fahrzeugeinsatz bekämpft, beobachten die Aborigines ihre Umwelt, sie lesen sie.

Die Aborigines zünden nur einen Fleck an, der sich dann kreisförmig von innen nach außen ausbreitet, berichtet Ado. Das schützt die Tiere, die in alle Richtungen fliehen können. Außerdem entstehen auf diese Art und Weise Schneisen, die den Tieren als Fluchtweg dienen. Ado ist sich sicher: Wenn die Aborigines die Tiere, Bäume und Pflanzen in der Vergangenheit über Tausende von Jahren vor unkontrollierten Bränden schützen konnten, können sie das auch heute.

Beim „kontrollierten Abbrennen“ beachten die Aborigines laut Ado Folgendes:

  • Die Aborigines legen in einem Ökosystem nur dann Feuer, wenn es „bereit“ dafür ist. Wenn das Feuer auf benachbarte Ökosysteme trifft, die nicht „bereit“ sind, erlischt es. Das Entzünden der Feuer gleicht dadurch einem Mosaikmuster. 
  • Für jeden Landstrich muss die jeweils passende Technik des „kontrollierten Abbrennens“ angewandt werden. Die Aborigines entscheiden, wann, wo, und wie lange ein Feuer brennt. Zu viele Brände schaden der Umwelt, keine ebenso. Auf das richtige Maß kommt es an.
  • Die niedrigen Temperaturen der Feuer sorgen dafür, dass nur Gras, Buschwerk, und auf dem Boden liegende trockene Blätter und Äste, also das feine Brennmaterial, verbrennt. Die Baumkronen bleiben verschont. Es wird also genau der „Treibstoff“ vernichtet, der die großen Buschfeuer nährt.
  • Die Aborigines orientieren sich an den Wetterbedingungen.
  • Sie beachten, welche Bäume, Pflanzen und Tiere im jeweiligen Ökosystem beheimatet sind und untersuchen die Beschaffenheit des Bodens. 

Die „konventionelle“ Feuerwehr bzw. die Regierung wendet beim Feuer legen eine gegensätzliche Technik an. Sie legen die Feuer von außen nach innen, sodass die Tiere nicht fliehen können. Außerdem werten die „Fire Fighters“ der Regierung das Wissen der Aborigines ab und bezeichnen die Feuer der Yuin als „cultural fires“, während sie ihre eigenen Feuer „ecological burns“ nennen.

Positive Folgen des kontrollierten Abbrennens

Die Methode des kontrollierten Abbrennens der Aborigines verhindert nicht nur das Auftreten unkontrollierter Buschbrände, sondern hat auch noch andere positive Effekte:

  • Die Fruchtbarkeit des Bodens nimmt zu. Das Aschebett fungiert als Dünger.
  • Manche Pflanzen und Bäume benötigen das Feuer, um sich zu vermehren.
  • Büsche, Bäume und Pflanzen regenerieren sich.
  • Insgesamt verbessert sich das jeweilige Ökosystem, es wird „gesünder“ und grüner.

Fazit

Die Flora und Fauna Australiens und nicht zuletzt auch die Menschen würden von der Förderung der Kooperation zwischen der indigenen Bevölkerung Australiens, die das kontrollierte Abbrennen seit vielen Generationen im Einklang mit der Natur sinnvoll betreibt, und der Regierung, profitieren. Denn trotz Fortbildungsmaßnahmen fehlt es der australischen Feuerwehr an adäquatem Wissen und der Erfahrung der Aborigines.

Auf die Frage, was ihn antreibe, sich weiterhin für ein verbessertes Feuermanagement einzusetzen und die Technik des „kontrollierten Abbrennens“ der Aborigines an andere weiterzugeben, antwortet Ado: „Wir müssen heute daran arbeiten, dass die Menschen morgen sich an einer schönen, intakten Umwelt erfreuen können.“

Du bist gespannt auf Ado und unsere Talk-Runde zu #PassTheMic: Australien? Dann schau ins Video:



Veranstaltungsreihe #PassTheMic – Junge Gesichter weltweit gegen den Klimawandel

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