Reyerhof, Stuttgart

#PassTheMic zu Lukas

Klimaschutz auf dem Reyerhof in Baden-Württemberg/Stuttgart

Millionen von Menschen spüren tagtäglich die Auswirkungen des Klimawandels am eigenen Leib. Wir waren im Winter 2020/21 mit sechs Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten aus der ganzen Welt im Austausch. Alle sechs erleben den Klimawandel in verschiedenem Ausmaß und versuchen auf ihre Weise, die Folgen abzumildern. 

Lukas vom Reyerhof, StuttgartAm 26. Januar 2021 fand der sechste und letzte Talk der ersten Staffel über die weltweiten Auswirkungen des Klimawandels statt. Dazu haben wir den Bogen zurück nach Deutschland gespannt, um zu schauen, wie der Klimawandel sich auch bei uns bereits jetzt auswirkt. Zu Gast war Lukas, Landwirt und Gärtner auf dem Reyerhof in der Landeshauptstadt Stuttgart. In unserem Gespräch erfahren wir viel über seine Arbeit und vor allem, wie sie sich mit dem Klimawandel verändert. 

“Ich komme selbst nicht aus einer Landwirtschaftsfamilie, aber ich wollte schon immer Bauer werden”, erzählt der 32-Jährige stolz. Seit fünf Jahren bewirtschaftet er zusammen mit seiner Frau und mittlerweile drei Kindern den Reyerhof nach biodynamischen Anbau und ist zudem Teil der Solidarischen Landwirtschaft Stuttgart (SoLaWis). Sein Hof befindet sich mitten in einem Wohngebiet in Stuttgart-Möhringen, umgeben von Einfamilienhäusern.

Das bedeutet Klimawandel für die Landwirtschaft in Deutschland

Dass auch Lukas mit den Auswirkungen des Klimawandels kämpft, wissen viele Städter nicht. Sinkende Jahresniederschläge und deren unregelmäßigere Verteilung, höhere Temperaturen und generell Wetterextreme machen sich bemerkbar.

Früher hat man über den Winter Erdmieten (Vorratsgrube im Garten) verwendet, um Kartoffeln, Rote Beete oder Äpfel einzulagern, bis die neue Wachstumsperiode ab Juni wieder frisches Obst und Gemüse brachte. Doch die Winter werden nicht mehr kalt genug, so dass Lukas ein Kühlhaus bauen musste, welches obendrauf auch noch viel Energie verbraucht.

Im Sommer verdunstet der wenige Niederschlag gleich wieder, so dass er immer mehr bewässern muss. Parallel dazu sinkt auch der Grundwasserspiegel in Deutschland immer weiter. Durch die Trockenperioden bangt er darum, sein Vieh in Zukunft nicht mehr satt zu bekommen. Denn Gras wächst am besten in niederschlagsreichen Gebieten.

Außerdem ist ihnen der Ertrag nicht mehr sicher, da viel duch Unwetter zerstört wird.

Wenn in Deutschland die Temperatur im Schnitt um 2-3 °C Grad steigen würde, werden zwangsweise ein höherer Wasserverbrauch in der Landwirtschaft und Alternativen im Anbau benötigt. “Wir sind zwar noch recht komfortabel in der Anpassung an den Klimawandel, jedoch muss das Problem bei der Wurzel gepackt werden!", sagt Lukas.

Team Reyerhof, Stuttgart

Wie reagiert der Reyerhof auf Veränderungen durch den Klimawandel

„Manche Kulturen wachsen nur unter Optimalbedingungen, die bauen wir dann einfach nicht mehr an“, berichtet der Landwirt. Er setze auf Vielfalt im Anbau: Dann sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass es am Ende etwas zum Essen gibt. „Es läuft selten alles schief“, lacht er.
“Die Fildern [Gegend um Stuttgart] bestehen aus teilweise meterdicken, sehr fruchtbaren Löss- und Lehmboden, die sehr viel Wasser halten können. Schade also, wenn die zugebaut werden”, bedauert Lukas. Sehr wichtig ist es, den Boden so nachhaltig zu bewirtschaften, dass sich Humus aufbaut. Dadurch kann der Boden mehr Wasser halten und ist austrocknungsresistenter. Außerdem bindet Humus C02.

Für den Viehbetrieb ist er von Gras auf Luzerne umgestiegen, die tiefer wurzelt. Beides schneidet er nicht mehr so stark ab, denn je höher die Halme, desto widerstandsfähiger seien sie gegen Trockenheit. Auch ins Bewässerungssystem hat er investiert, so dass dieses wassersparend agiert und das Wasser nicht gleich wieder verdunstet.

Der Reyerhof betreibt Landwirtschaft so, dass ein möglichst geringer Klimafußabdruck entsteht. So haben sie u.a. ein Elektrolastenrad angeschafft, um weniger Diesel zu verbrauchen.

SolaWi – Reyerhof, Stuttgart

Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft (SOLAWI)

Solidarische Landwirtschaft bedeutet, dass sich mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs teilen, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Erzeuger*innen als auch die Verbraucher*innen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft. Ihre Ziele sind es, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, eine bedürfnisorientierte, regionale und saisonale Ernährung zu fördern sowie Arbeitsstruktur und Einkommensverhältnisse zu verbessern.

Reyerhof, Stuttgart

"Lebensmittel verlieren ihren Preis und erhalten hierdurch wieder ihren Wert", äußerte er sich im Bezug auf die Solidarische Landwirtschaft. Meist fehle es bei industrieller Landwirtschaft an Transparenz und sei mit Ausbeutung und/oder negativen Umweltfaktoren verbunden.

Auf dem Reyerhof herrscht komplette Transparenz über alle Löhne und Kosten. Sie handeln gemeinwohl-orientiert. “Bei jeder Entscheidung, die auf dem Hof getroffen wird, fragen wir uns, wie sich das auswirkt. Nicht jeder Arbeitsschritt ist klimaneutral, da das gar nicht möglich wäre, trotzdem arbeiten wir so gut es geht enkeltauglich." Um in der Gesellschaft Bewusstsein zu schaffen, besuchen Schulklassen den Hof, denn heutzutage haben Kinder oftmals keinen Bezug mehr zu Lebensmitteln. Auf dem Hof erörtern Lukas und sein Team mit den Kindern daher folgende Fragen:

  • Was sollten Lebensmittel für einen Wert haben?
  • Wer steht hinter den Lebensmitteln?
  • Was ist saisonal erhältlich?

Du bist gespannt auf Lukas und unsere Talk-Runde zu #PassTheMic: Reyerhof? Dann schau ins Video:


Veranstaltungsreihe #PassTheMic – Junge Gesichter weltweit gegen den Klimawandel

>> Zur Übersicht


Fotos: Lukas Dreyer, Reyerhof Stuttgart + Solidarische Landwirtschaft Stuttgart

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