| Natur & Biodiversität
Letzte Änderung: 15.06.2026 Autor*in: Sabrina Fruck

Mikroplastik und Biodiversität – ein stilles Problem

Plastikmüll liegt auf einer Ackerfläche herum
© hey emmby, Unsplash

Mikroplastik ist längst überall: in unseren Böden, Gewässern, der Luft und damit mitten in den Lebensräumen tausender Tier- und Pflanzenarten. Was das für die Artenvielfalt bedeutet, ist weniger sichtbar als ein ölverschmierter Strand, aber nicht weniger ernst.

Doch was ist Mikroplastik eigentlich? Es handelt sich um winzige Kunststoffteile mit einem Durchmesser von unter 5mm, die sich nicht biologisch abbauen. Sie verbleiben also in der Umwelt und das ist ein Problem! 

Biodiversität braucht funktionsfähige Lebensräume

Artenvielfalt entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie ist das Ergebnis von intakten Lebensräumen, in denen Tiere fressen, sich fortpflanzen und miteinander interagieren können. Mikroplastik stört genau das: schleichend, nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch eine dauerhafte und schwer umkehrbare Belastung. 

Meistens denken wir bei Mikroplastik an Meere und Gewässer. Dabei schlummert in Ackerböden oft ein Vielfaches mehr an Mikroplastik als im Meer. Von den weltweit jährlich mehr als 400 Millionen produzierten Tonnen Plastik landet etwa ein Drittel in Böden und Binnengewässern – also genau dort, wo Pflanzen wachsen, Tiere leben und unsere Lebensmittel herkommen. Gerade in Deutschland, wo intensive Landwirtschaft und dicht besiedelte Flächen ohnehin Druck auf die Artenvielfalt ausüben, kommt Mikroplastik als zusätzlicher Stressfaktor hinzu.

Wenn Plastik Teil des Ökosystems wird

Ökosysteme funktionieren wie fein abgestimmte Netzwerke. Verändert sich ein Glied, wirkt sich das auf das ganze System aus. Mikroplastik greift in dieses Netz an mehreren Stellen gleichzeitig ein.

Was die meisten inzwischen wissen: In Gewässern verwechseln viele Tiere Plastikpartikel mit Nahrung, was zu Unterernährung und verringerter Fortpflanzung führen kann. Bei Seevögeln wie dem Eissturmvogel zum Beispiel wurden in Studien bei fast allen untersuchten Tieren in der Nordseeregion Plastikpartikel im Magen nachgewiesen. Da sich Schadstoffe auf der Oberfläche von Mikroplastik anreichern, wandern diese durch die Nahrungskette weiter nach oben. Kleine Tiere fressen es, werden von größeren gefressen, die wiederum von noch größeren gefressen werden – mit jeder Stufe steigt die Schadstoffkonzentration – das nennt man auch Bioakkumulation. So wandern die Schadstoffe durch die Nahrungskette bis auf unsere Teller.  

Weniger bekannt, aber mindestens genauso besorgniserregend ist die Situation im Boden. Kunststoffpartikel beeinflussen die Bodenstruktur und damit die Lebensbedingungen für Regenwürmer, Pilze und Mikroorganismen – also genau jene Lebewesen, die Nährstoffe für Pflanzen aufbereiten und die Grundlage fast jeder Nahrungskette bilden. In einigen Untersuchungen war die Regenwurm-Population in stark belasteten Böden deutlich geringer als in unbelasteten Vergleichsflächen. Studien zeigen zudem, dass Mikroplastik die Aktivität dieser Organismen hemmt und die Artenvielfalt langfristig verringern kann. Kunststoffzusatzstoffe und Weichmacher können sich außerdem aus dem Plastik herauslösen und wirken auf manche Tier- und Pflanzenarten wie Hormone. Die Forschung – ob Medizin, Chemie oder Umweltökologie –steht hier noch am Anfang. Die bisherigen Befunde geben aber bereits Grund zur Vorsicht.

Was bedeutet das für mich?

Die gute Nachricht: Viele der Quellen, aus denen Mikroplastik in die Umwelt gelangt, lassen sich individuell beeinflussen. Reifenabrieb, Textilfasern beim Waschen, Putzmittel, Körperpflege- und Kosmetikprodukte, Einwegplastik – das sind keine abstrakten Industrieprobleme, sondern Alltagsentscheidungen. Genauso wichtig: Plastik richtig entsorgen, unverpackt einkaufen, unterwegs Müll aufsammeln oder eine Sammelaktion in der Nachbarschaft organisieren – denn achtlos weggeworfener Abfall zerfällt mit der Zeit zu Mikroplastik.

Und auch die Politik hat das Problem erkannt. Auf EU-Ebene sind bereits erste strukturelle Maßnahmen in Kraft oder auf dem Weg:

  • Verbot von bewusst zugesetztem Mikroplastik in Kosmetik und Reinigungsmitteln (EU-Regulierung läuft schrittweise seit 2023)
  • Strengere EU-weite Grenzwerte für Mikroplastik in Kläranlagen und Abwasser muss bis Ende 2027 in nationales Recht übernommen werden
  • Verpflichtende Filter für Waschmaschinen (in Frankreich seit 2025 für Neugeräte vorgeschrieben)
  • Strengere Anforderungen an Reifenhersteller bezüglich Abrieb ab Juli 2028
  • EU-Verordnung zur Förderung von Forschung zu biologisch abbaubaren Alternativen

Wer Biodiversität schützen will, muss also nicht nur an Bienen und Wildblumenwiesen denken. Auch das Vermeiden von Mikroplastik ist ein konkreter Beitrag, weil es die Lebensräume schützt, in denen Artenvielfalt erst möglich wird.

Weitere Tipps, wie du deinen persönlichen Mikroplastik-Abdruck im Alltag reduzieren kannst, findest du in unseren Youtube-Shorts oder unseren Reels auf Instagram – einfach mal auf unseren Kanälen vorbeischauen.

Inhaltsstoffe, die du versuchen kannst zu vermeiden:

  • Polyethylene (PE) & Polypropylene (PP): Werden primär als feste Peelingkörper in Duschgels und Gesichtspeelings genutzt, um abgestorbene Hautschuppen zu entfernen. In Putzmitteln finden sie sich oft als Abrasivkörper für Scheuermilch.
  • Polystyrol (PS): Dient in flüssigen Produkten als Trübungsmittel, um dem Reiniger oder der Seife ein cremiges, deckendes Aussehen zu verleihen.
  • Nylon-12, Nylon-6 (Polyamide): Werden in der Kosmetik als Füllstoffe für Puder, Mascara oder Cremes verwendet. Sie sorgen für ein angenehmes, seidiges Hautgefühl.
  • Polyurethan (PU): Dient als Filmbildner, der sich zum Beispiel schützend und glänzend über Oberflächen legt. Es sorgt für wasserfeste Eigenschaften in Sonnencremes oder Mascara.
  • Acrylates Copolymer / Crosspolymer: Diese flüssigen Polymere fungieren als Verdickungsmittel, Stabilisatoren oder Bindemittel (z. B. in Haarsprays oder flüssigen Waschmitteln). Sie sorgen dafür, dass sich Inhaltsstoffe nicht trennen.

Quellen:


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