Was Bildungsformate wirklich bewirken – und wie wir es messen können
Das Jobfestival für Klimaschutz ist ein Berufsorientierungsformat für junge Menschen zwischen 15 und 28 Jahren in Baden-Württemberg. Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene für Berufe im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit zu begeistern und ihnen konkrete Orientierung auf ihrem Berufsweg zu geben. Das Format umfasst Workshops, 1:1-Coachings, eine Messe mit Arbeitgebenden sowie Diskussionsformate – und wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.
Für das Festival 2025 haben wir erstmals eine strukturierte Wirkungsmessung durchgeführt – mit Vor- und Nachbefragung am Eventtag sowie einer Folgebefragung nach acht Monaten. Was wir dabei gelernt haben, möchten wir hier teilen: die Erfolge, aber auch wo wir gescheitert sind.
Die Wirkungstreppe als Orientierungsrahmen
Unser konzeptioneller Rahmen war die Wirkungstreppe von PHINEO (Kursbuch Wirkung, 2013). Das Modell unterscheidet sieben aufeinander aufbauende Stufen:
- Stufen 1–3 beschreiben den Output: Die Aktivitäten finden statt, Zielgruppen werden erreicht und nehmen die Angebote an.
- Stufen 4–5 beschreiben den Outcome: Zielgruppen verändern ihr Wissen, ihre Einstellungen und Fähigkeiten (Stufe 4) – und im nächsten Schritt ihr Verhalten (Stufe 5).
- Stufen 6–7 beschreiben den Impact: Veränderungen in Lebenslage und Gesellschaft.
Für unser Format haben wir realistische Ziele auf Stufe 4 definiert: Teilnehmende sollen sich besser informiert fühlen, nachhaltige Berufe erkennen können und Interesse an grünen Jobs entwickeln. Als Stufe-5-Ziele formulierten wir: Teilnehmende berücksichtigen Umweltaspekte bei ihrer Berufswahl und beschäftigen sich nach dem Festival weiter mit dem Thema.
Was wir gemessen haben – und wie
Wir haben drei Befragungszeitpunkte eingesetzt:
Eingangsbefragung (vor Veranstaltungsbeginn, n=189): Online-Fragebogen zu Demographie, Karrierewünschen sowie bestehenden Einstellungen, Wissen und Fähigkeiten. Diese Daten dienten als Baseline für den Vorher-Nachher-Vergleich.
Feedbackbogen am Veranstaltungsende (n=147): Auf der Rückseite des ohnehin ausgefüllten „Rallye-Zettels" haben wir dieselben Aussagen zu Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen erneut abgefragt – ein pragmatischer Weg, eine hohe Rücklaufquote zu sichern.
Folgebefragung nach acht Monaten (n=8): Digitale Befragung zu Verhaltensveränderungen, Berufswahl und weiterführendem Engagement.
Die Ergebnisse: Wirkungsstufe 4 übertrifft die Erwartungen
Die Ergebnisse auf Stufe 4 fielen stärker aus, als wir es bei einem eintägigen Format erwartet hätten. Einige Zahlen:
- +57 Prozentpunkte mehr Teilnehmende fühlten sich nach dem Festival gut über nachhaltige Karrierewege informiert.
- +33 Prozentpunkte mehr sagten, sie können bewerten, ob ein Job nachhaltig ist oder nicht (Fähigkeiten).
- +25 Prozentpunkte mehr stimmten der Aussage zu, man solle im Beruf auf die Umwelt achten (Einstellung).
- +18 Prozentpunkte mehr interessierten sich für einen Job im Bereich Umwelt/Nachhaltigkeit.
- 65 % der Teilnehmenden gaben an, neue Ideen für ihre berufliche Zukunft bekommen zu haben.
Diese Veränderungen sind natürlich mit Vorsicht zu interpretieren: Eine eintägige Veranstaltung wirkt auf unmittelbare Wahrnehmung, nicht zwingend auf tief verankerte Überzeugungen. Dennoch: Als Nachweis dafür, dass das Format ankommt und Denken in Bewegung setzt, sind die Zahlen überzeugend.
Messung gescheitert: Wirkungsstufe 5
An der Messung von Stufe 5 – Verhaltensveränderungen nach acht Monaten – sind wir praktisch gescheitert. Von 76 kontaktierten Personen haben nur 8 an der Folgebefragung teilgenommen. Die quantitativen Ergebnisse sind damit statistisch nicht aussagekräftig.
Was wir trotzdem sagen können: Die qualitativen Antworten der acht Teilnehmenden geben interessante Einblicke. Mehrere berichteten, dass sie sich weiter mit nachhaltigen Berufsmöglichkeiten beschäftigt haben – teils auch über Kontakte, die sie auf dem Festival geknüpft hatten. Einige machten gerade ihren nächsten Schritt (Bewerbung, Ausbildung, Studium) und gaben an, Umweltaspekte dabei zu berücksichtigen.
Die geringe Rücklaufquote ist bei diesem Zeitabstand erfahrungsgemäß kaum zu vermeiden – sie ist kein Versagen des Formats, sondern eine strukturelle Herausforderung der Längsschnittmessung. Trotzdem haben wir konkrete Verbesserungsansätze identifiziert:
- Kontaktdaten erst am Veranstaltungsende erfassen, um die Teilnahmebereitschaft zu erhöhen (wer seine E-Mail-Adresse erst abgibt, nachdem er vom Format überzeugt wurde, ist eher bereit, später wieder erreichbar zu sein).
- Ein Follow-up-Kontakt nach etwa einem Monat als Erinnerung und Beziehungspflege, bevor die Distanz zur Veranstaltung zu groß wird.
- Kooperation mit Lehrkräften: Wenn Schulklassen das Festival besuchen, könnten Lehrpersonen die Folgebefragung in den Unterricht integrieren – ein echter Hebel für höhere Rücklaufquoten.
Was wir daraus mitnehmen – für uns und vielleicht für euch
Wirkungsmessungen mit Vorher-Nachher-Design sind aufwendiger als eine einfache Abschlussbefragung. Aber sie liefern Erkenntnisse, die echte Qualitätsentwicklung ermöglichen – und die in Zeiten knapper Mittel und zunehmender Rechenschaftspflicht gegenüber Fördergebenden auch strategisch wertvoll sind.
Wir planen, diesen Ansatz für ähnliche Formate weiterzuführen – etwa für Berufsinfo-Tage an Schulen, wo die Ziele und Indikatoren weitgehend identisch sind und sich ein schlankes Messdesign leicht adaptieren lässt.
Wenn ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt – mit gelungenen Messungen oder mit dem Scheitern daran – freuen wir uns über den Austausch.
