Protokoll des Chats am 21. Juni mit Umweltministerin Tanja Gönner
Chat im Rahmen von Brundtland 2.0 am 21. Juni 2010 von 15.15 bis 16.15 Uhr
mit den Chat-Gästen:
Tanja Gönner, baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr,
Dr. Meike Gebhard, Vorstand von Utopia sowie
Prof. Dr. Christoph Fasel, Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement und stellvertretender Vorsitzender der Verbraucherkommission Baden-Württemberg
Moderator: Es ist jetzt 15:15 Uhr, unsere drei Chatgäste sind bereits angekommen. Hier meine erste Frage an Frau Umweltministerin Tanja Gönner, Frau Dr. Meike Gebhard und Herrn Prof. Christoph Fasel: Können wir starten?
Tanja Gönner: Herzlich willkommen, wir können gern starten.
Christoph Fasel: Ja, sehr gerne: Herzlich willkommen zum Chat!
Meike Gebhard: Guten Tag! Ich bin ebenfalls startklar!
BenjaminBlümchen: Ein einziges Ticket für den ÖPNV in Baden-Württemberg. Ist das möglich?
Tanja Gönner: Lieber Benjamin Blümchen: Das gibt es bereits. Das Baden-Württemberg-Ticket ist ein Tagesti-cket und gilt in allen Bussen und Bahnen im ganzen Land und bei einzelnen Strecken auch über die Landes-grenze hinaus, werktags ab 9 Uhr und am Wochenende den ganzen Tag. Günstiger kann man nicht durchs ganze Land fahren. Zudem gibt es viele Regionalangebote zum Beispiel in Südbaden, Franken, dem Landkreis Schwäbisch Hall und dem Main-Tauber-Kreis.
GüterTrendsetter: Durch welche Maßnahmen kann man erreichen, dass der Straßengüterverkehr auf Schienen und
Wasserstraßen verlegt wird?
Tanja Gönner: Lieber Günter Trendsetter, die Straße ist und bleibt wichtigster Verkehrsträger im Güterverkehr. Der Güterverkehr wird daher auch zukünftig das Straßenbild in Baden-Württemberg prägen. Die Landesregierung möchte aber, dass für den Gütertransport die einzelnen Verkehrsträger Straße, Schiene und Binnenschiff entsprechend ihrer jeweiligen spezifischen Stärken genutzt werden. Je länger die Transportstrecke ist, umso eher sollen für die Beförderung Schiene und Wasserstraße genutzt werden. Um die einzelnen Verkehrsträger miteinander zu verknüpfen, brauchen wir ein ausreichendes Netz von Güterumladestationen, Binnenschifffahrt und Güterbahnen.
Oposition: Wieso trat das Thema der alternativen Kraftstoffe bisher nie in Verbindung mit dem Flugverkehr auf?
Tanja Gönner: Liebe Oposition, es gibt bereits Anstrengungen, neue Triebwerkstechnologien zu entwickeln und Emissionen zu senken. Da aber vor allem bei Passagierflugzeugen die Sicherheit an erster Stelle steht, bedarf es jahrelanger Erprobung. Dennoch gibt es bereits einige Beispiele: Der Flugzeughersteller Boeing und der Triebwerkshersteller Rolls-Royce wollen einen alternativen Biotreibstoff mit einer Boeing B747 testen. In einigen Ländern (z.B. Russland) werden Wasserstoffantriebe getestet. Es gibt auch Versuche mit Brennstoffzellen, die Strom für Elektroantrieb erzeugen. Bislang liegen aber noch keine Zulassungen für den Passagierverkehr vor.
Maracuja: Wie müssten sich die Rad- und Fußwege ihrer Meinung nach verbessern?
Tanja Gönner: Liebe maracuja, wir sehen die Notwendigkeit, Radwege und Fußgängerwege auszubauen und verkehrssicher zu machen. Das landesweite Radwegenetz wird derzeit flächendeckend erfasst und auf seine Mängel, wie zum Beispiel Lücken und fehlende Beschilderung hin geprüft. Diese Arbeit wird dann dazu dienen, die Mängel schrittweise zu beseitigen und das Radwegenetz insgesamt zu verbessern.
Eona: Wie müsste Werbung für nachhaltige Mobilität ihrer Meinung nach aussehen?
Meike Gebhard: Werbung für nachhaltige Mobilität müsste dem Verbraucher zeigen, dass nachhaltige Antriebs-konzepte attraktiv sind. Nachhaltig ist nur dann massenmarktfähig, wenn die Produkte genauso attraktiv sind wie herkömmliche Produkte. Kurz: Sie müssen Spaß machen!
Sdmg: Inwiefern unterstützt die Politik den Einsatz von Wasserstoff als Treibstoff?
Tanja Gönner: Wir sind als Land dabei, zusammen mit Partnern eine Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen. So haben wir am Landesflughafen in Stuttgart die modernste Wasserstofftankstelle eingerichtet. Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit einigen weiteren Partnern, um in Städten, in denen sich der Einsatz anbietet, ebenfalls Tankstellen zu errichten.
Moderator: Hier kommt noch eine aktuelle Nachfrage zum Thema Werbung:
Eona: Haben sie ein konkretes Beispiel für eine solche Werbung?
Meike Gebhard: Beispiele sind Werbespots für den e-smart, für Blue Motion und Videos für den e-mini.
Hopenhagen: Glauben sie auch, dass es in 20 Jahren in Deutschland Benzin nur noch auf Bezugsschein geben wird?
Tanja Gönner: Nein.
Meike Gebhard: Nein, aber Benzin wird signifikant teurer sein.
Christoph Fasel: Nein. Das regelt der Preis.
Here sits a scout: Wie denken sie kann man die Leute dazu bewegen, sich nachhaltig mobil fortzubewegen? Und was haben sie davon schon gemacht, bzw. warum nicht?
Christoph Fasel: Es ist wichtig, den Verbrauchern nicht nur das Ziel der erwünschten Nachhaltigkeit deutlich zu machen, sondern auch den persönlichen Nutzen für ihr Leben. Ein Beispiel: Wer mit dem Fahrrad fährt, schont nicht nur die Umwelt - er tut gleichzeitig was für seine Gesundheit.
Tanja Gönner: Einerseits in dem man darstellt, dass auch eine nachhaltige Mobilität eine Mobilität mit Komfort und Spaß ist. Das gilt sowohl für Fahrradfahren (mit E-Motor und ohne) wie auch für die Bewegung im Zug wie auch im Auto. Beim Auto sollte man auf den geringen Verbrauch achten.
Meike Gebhard: Neben attraktiven Alternativen können Testimonials eine wichtige Rolle spielen. In den USA gibt es zahlreiche Prominente, die öffentlichkeitswirksam für umweltfreundliche Autos eintreten und diese selber nutzen.
Tanja Gönner: Ich habe gerade ein neues Fahrrad gekauft und versuche es vor allen Dingen für kurze Strecken öfter zu nutzen. Ich prüfe für längere Dienstreisen vor allen Dingen außerhalb des Landes die Nutzung der Bahn. Privat fahre ich ein deutlich kleineres Auto als dienstlich. Wobei mein Dienstfahrzeug mein Büro ist.
Alena: Gibt es bereits positive Auswirkungen auf die Schadstoffemissionen nach der Einführung der Umweltpla-ketten und der Abwrackprämie?
Tanja Gönner: Hinsichtlich der Abwrackprämie gibt es eine Studie vom IFEU-Institut in Heidelberg, die belegt, dass sowohl bei allgemeinem Schadstoffausstoß als auch bei der Größe der gekauften Fahrzeuge im Hinblick auf den Verbrauch eine Umweltwirkung erzielt wurde. Bei den Umweltzonen konnte eine Reduktion (die Zahlen stehen für das Stuttgarter Neckar-Tor) von fünfzehn Prozent Feinstaub erreicht werden.
Stern: Wie äußert sich ein nachhaltiger Lebensstil?
Meike Gebhard: Nachhaltiger Konsum beginnt mit der Frage: Was brauche ich? Was brauche ich nicht? Was muss ich besitzen? Was kann ich ggf. leihen oder mieten. Für alle Produkte, die man anschaffen will / muss, stellt sich dann die Frage: Gibt es bereits eine ökologieverträglichere Alternative. Heute gibt es bereits für nahe-zu alle Produktbereiche ökologieverträglichere Alternativen und viele davon sind erschwinglich.
Auf Utopia versuchen wir, Verbrauchern zu eben dieser Frage Information und Orientierung zu geben und ihnen für alle Konsumbereiche Verhaltensalternativen aufzuzeigen.
Moderator: Hier kommt nun die letzte der TOP 5 Fragen, jetzt zum Thema Ernährung und Lebensstil.
Hi: Unterstützt die Politik nachhaltige Lebensmittel?
Tanja Gönner: Lieber Hi, die Landespolitik unterstützt die Produktion von nachhaltigen Lebensmitteln zum Beispiel durch das Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsprogramm MEKA, durch welches ein umweltbewusstes Betriebsmanagement und eine umweltschonende Pflanzenerzeugung gefördert werden. Zudem unterstützen wir eine nachhaltige Ernährung durch Maßnahmen zur Verbraucherinformation und Bildung, z.B. durch die Landesinitiativen Bewusste Kinderernährung (BeK) oder das Projekt "Wissenshunger", das sich mit nachhaltiger Ernährung von Schülern beschäftigt.
Moderator: Hier kommt noch eine aktuelle Nachfrage zum Thema nachhaltiger Lebensstil:
Eric Cartman: Heißt das ich muss mich in meinem Lebensstil stark einschränken?
Meike Gebhard: Die Antwort aus meiner Sicht ist JEIN. Ja, nachhaltiger Konsum bedeutet am Ende auch weni-ger Konsum. Vor allem bedeutet nachhaltiger Konsum auch bewusster Konsum. Muss jeder wirklich eine Schlagbohrmaschine besitzen, die er nur 8 Minuten über die gesamte Lebensdauer nutzt?
Tanja Gönner: So würde ich das nicht verstehen. Es ist allerdings eine Aufforderung, darüber nachzudenken, wie ich meinen eigenen Konsum gestalte. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man schneller darüber redet als es umzusetzen. Die Umsetzung ist nicht immer ganz einfach.
Meike Gebhard: Ist der Verzicht auf eine Schlagbohrmaschine dann ein Verzicht auf Lebensqualität? Per saldo werden wir sicher auch weniger, vor allem aber bewusster konsumieren müssen.
Christoph Fasel: Der Koch-Papst Wolfram Siebeck hat einmal gesagt "Je älter ich werde, desto mehr stelle ich fest, wie wenig man eigentlich essen kann!" Weniger ist oft mehr. Also, meiner Meinung nach bedeutet ein nachhaltiger Lebensstil keine Einschränkung, sondern ein Gewinn durch bewusstes Konsumieren und Genießen.
Fluff: Glauben Sie, dass überhaupt noch jemand Öko-Produkte kauft, wenn diese teurer werden?
Meike Gebhard: Meine Überzeugung ist, dass nachhaltige Produkte langfristig kostengünstig werden, vor allem relativ zu herkömmlichen Produkten. Ein Beispiel dafür sind Bio-Lebensmittel, die es vor Jahren nur im Bioladen gab, heute bereits bei jedem Supermarkt und Discounter. Diese Beispiel lässt sich auf viele Konsumbereiche übertragen.
Christoph Fasel: Die Entwicklung zeigt das Gegenteil: Die wachsende Nachfrage der Konsumenten hat ein erstaunlich breites Angebot an nachhaltigen Produkten hervorgerufen. Die Folge: Die Preise dafür sinken.
Guten Tag: Meinen Sie, die Deutschen würden mehr auf die Nachhaltigkeit der Kleidung achten, wenn sie wüssten, wie sie produziert wird?
Tanja Gönner: Ich bin mir leider nicht sicher, aber versuchen sollten wir es. Das bedeutet, dass eine entspre-chende verständliche Kennzeichnung notwendig ist. Wichtig ist, dass es nicht zu viele unterschiedliche Kenn-zeichnungen gibt, damit ein Vergleich möglich ist.
[BP]Ökosystem: Können die hohen Qualitätsstandards von Bio-Produkten gehalten werden, wenn die Nach-frage immer weiter steigt?
Christoph Fasel: In der Tat könnte das durchaus ein Problem sein. Allerdings sind mittlerweile immer mehr Landwirte auf dem Weg zur ökologischen Erzeugung - das erhöht das Angebot. Zudem sind die Kontrollen in Deutschland sehr dicht und zuverlässig.
Stern: Gibt es an deutschen Schulen bereits nachhaltige Produkte, welche die Schüler kaufen können?
Tanja Gönner: Ja, es gibt Schülergruppen, die heute schon fair gehandelte Produkte den Schülern zum Verkauf anbieten. Wie zum Beispiel fair gehandelter Kaffee. Es gibt z.B. eine Schülerfirma, die von BUND unterstützt wird, und unter dem Namen "MacMöhre" biologische Produkte verkauft im Bereich der Ernährung.
Hi: Ist das Thema "Nachhaltige Ernährung" präsent genug?
Christoph Fasel: Leider offensichtlich noch nicht. Denn sonst wäre der Run auf Fast-Food-Produkte gerade bei Jugendlichen nicht so groß, wie er es heute noch ist. Hand aufs Herz: Wie oft gehen Sie und Ihre Klassenkame-raden in der Woche auf Hamburger-Jagd?
Naruto: Kann man den Schülern Nachhaltigkeit besser beibringen?
Tanja Gönner: Wir haben dazu sogar schon Unterrichtsmaterial gemeinsam herausgegeben. Die Broschüre heißt "Umwelterziehung und Nachhaltigkeit" und wurde im Rahmen der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" erstellt. Auch im Unterrichtsmaterial "Konsumieren mit Köpfchen" ist ein Kapitel zum nachhaltigen Konsum mit dabei. Dieses steht allen weiterführenden Schulen kostenlos zur Verfügung. Es gibt dazu auch eine Info-Mappe des Landesschülerbeirates, der sich viel Mühe gemacht hat. Man könnte noch einiges weiteres auf-zählen. Wie ihr seht, ist das Angebot vorhanden - man könnte also...
Es ist aber oft auch eine Frage des Abholens. Auf der Internetseite wir-ernten-was-wir-saen.de können sich Schüler in verschiedenen Projekten zur nachhaltigen Entwicklung beteiligen.
Moderator: Kommen wir zu einem weiteren spannenden Themenkomplex: Energie und Klima.
HolgiStar: Könnten wir 2050 nur noch von regenerativen Energien leben?
Tanja Gönner: Lieber HolgiStar, wir wünschen es uns, aber es ist noch einiges auf dem Weg dahin zu tun. Wir brauchen gut ausgebaute Stromnetze und die Frage der Speicherung von Strom gewinnt zunehmend an Bedeu-tung, denn letztlich muss auch im Jahr 2050 sichergestellt sein, dass wir 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr immer dann wenn wir es wollen Zugang zu Strom haben. Das ist die Aufgabe - ich habe die Hoffnung dass wir sie bis dahin lösen.
Meike Gebhard: Entscheidend wird darüber hinaus sein, dass es gelingt, den Energieverbrauch insgesamt durch effizienzsteigernde Maßnahmen und durch Energiesparen deutlich zu senken.
Tanja Gönner: Auf www.energiespiel.de könnt ihr die Vor- und Nachteile und Probleme der Energieversorgung leicht erlernen. Ein Computersimulationsspiel in dem Du der Energiemanager bis 2050 bist.
Die Maiszuensler: Inwiefern trägt BW zu nachhaltiger Energiegewinnung heutzutage bei?
Tanja Gönner: Indem wir den zweitgeringsten CO2-Ausstoß in der Energieversorgung bundesweit (nach Bayern) haben. Das liegt im übrigen auch - ob gewollt oder nicht gewollt - zum nicht unerheblichen Teil an der Nutzung der Kernenergie.
Wir wollen unseren Anteil an den erneuerbaren Energien ausbauen sowohl im Strombereich wie auch bei der Wärme - diese wird leider viel zu oft vergessen.
(BP) Tiersterben: Sind erneuerbare Energien nicht viel zu teuer und unrentabel? Da die deutsche Wirtschaft vom Export abhängig ist, ist Deutschland doch auf günstige Energie angewiesen.
Tanja Gönner: Gerade weil wir auf Export angewiesen sind, müssen wir uns die Frage stellen: Was sind die großen Zukunftsthemen weltweit? Die Energienachfrage wächst weltweit und die fossilen Rohstoffe gehen der Neige zu, deswegen werden erneuerbare Energien weltweit eine größere Rolle spielen und gerade deswegen ist es für die exportorientierte deutsche Wirtschaft interessant, Weltmarktführer in diesem Bereich zu werden. Deswegen ist die heute notwendige Förderung durchaus sinnvoll.
Wir befinden uns derzeit in einer Übergangsphase, in der es einerseits gilt, sich auf die Zukunft einzurichten, aber andererseits darauf zu achten, dass bei uns die Preise nicht explodieren. Dies ist auch der Grund, warum derzeit so hart um ein richtiges Energiekonzept gerungen wird.
Meike Gebhard: Je mehr in die Nutzung erneuerbarer Energien investiert wird, desto kostengünstiger werden sie langfristig. Beispiele dafür sind die Investitionen in solarthermische Kraftwerke sowie die derzeit getätigten Großinvestitionen in Offshore-Windparks.
Eona: Halten sie denn Kernenergie für eine ernsthafte Alternative zu fossilen Brennstoffen?
Tanja Gönner: Unter CO2-Gesichtspunkten spricht aus meiner Sicht die Frage der Ablösung der Großtechniken eher für eine längere Nutzung der Kernenergie als für den Zubau fossiler Kraftwerke. Dies ist allerdings immer unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass wir die Aufgabe haben, bei Kernkraftwerken die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Darüberhinaus müssen wir die Frage der Endlagerung klären. Dies ist keine Frage, die binnen weniger Jahre geklärt werden kann, aber man muss sich auf den Weg machen.
Öl vegiftet die Welt: Welche Maßnahmen werden von den Behörden unternommen, um umweltfreundlicher und nachhaltiger zu werden?
Tanja Gönner: Die baden-württembergische Landesregierung hat ihre Beschaffungsanordnung bereits 2009 so geändert, dass nicht allein der Preis die entscheidende Frage für den Erwerb ist, sondern nur eines von mehreren Kriterien. Gerade umweltfreundliche und nachhaltige Produkte sollen damit zum Einsatz kommen.
Die Landesregierung hat eine Nachhaltigkeitsstrategie gestartet, die auch zu einem intensiven Diskurs innerhalb der Landesverwaltung führt und damit das Bewusstsein für Nachhaltigkeit stärkt. Wir werden demnächst als erstes Bundesland eine Nachhaltigkeitsprüfung für landesrechtliche Regelungen einführen.
Das Umweltministerium war das erste Landesministerium bundesweit, dass sich EMAS zertifiziert hat. Seitdem sind wir zwei Mal rezertifiziert worden.
AngeEtYase: Können wir persönlich etwas gegen Kinderarbeit bei der Rohstoffgewinnung tun?
Christoph Fasel: Natürlich - durch intensive Aufklärung über die Herkunft der Produkte und die Bedingungen, unter denen sie entstehen. Hier sorgen einmal Zertifikate für Transparenz - und andererseits beharrliches Nach-fragen von Verbrauchern und auch Medien. So haben Zeitschriftenberichte schon oft dazu beigetragen, Kinder-arbeit-Skandale bei deutschen Marken aufzudecken. Hier können Verbraucher dann auch selbst reagieren - durch ihre Abstimmung zur Kaufenthaltung im Laden
Meike Gebhard: In bestimmten Konsumbereichen kann man auch durch das Achten auf Labels (wie Fair Trade) beim Einkauf einen Beitrag leisten. Dies gilt zum Beispiel für Kaffee- und Kakaoprodukte, aber auch für Mode und Bekleidung.
[BP]Oekosystem: Denken Sie, dass wir mit Brundtland 2.0 eine Chance haben, die Welt zu verändern und nachhaltiger zu gestalten?
Tanja Gönner: Eine lange Wanderung beginnt immer mit dem ersten Schritt. Deswegen bin ich überzeugt dass die Beschäftigung mit dem Thema Euch hilft, ihr aber auch Euren Mitschülern gute Beispiele geben könnt. Nur durch gute Beispiele wird es Nachahmer geben und damit kommt man ein Stück voran. Ob es für die ganze Welt reicht, ist sicher schwierig, aber man soll nicht daran verzweifeln. Ich würde mich freuen wenn ihr Euch über Brundlandt 2.0 hinaus engagiert. Möglichkeiten, sich zu engagieren, findet ihr auf www.be-a-hero.de.
Meike Gebhard: Jeder Einzelne kann einen wichtigen Beitrag leisten. Gemeinsam könnt ihr einen großen Un-terschied machen. Bei Utopia fassen wir das für jeden in den Slogan: "Wir fangen dann einfach schon mal an..."
Moderator: Unsere Chat-Zeit ist schon fast abgelaufen. Meine Frage an unsere Chatgäste: Möchten Sie an die Schülerinnen und Schüler noch ein Schlusswort richten?
Tanja Gönner: Vielen Dank dass ihr heute dabei wart, vielen Dank dass ihr Euch bei Brundtland 2.0 engagiert. Ich hoffe, ihr habt viel Spaß dabei und seht was man alles bewegen kann. Ich hoffe, wir sehen uns am 21. Juli in Bebenhausen.
Meike Gebhard: Ich finde es großartig, dass sich so viele Schüler bei Brundtland 2.0 engagieren. Auf eure Ge-neration kommt es an!
Christoph Fasel: Danke für die guten Fragen, danke für das Engagement. Wir brauchen gerade die Ideen jun-ger Menschen, wenn wir nicht immer wieder die gleichen alten Fehler machen wollen. Und bitte nicht vergessen: Nachhaltigkeit ist nicht nur ein wichtiges Thema - daran mitzuarbeiten macht auch Spaß. Denn es macht Sinn. Viel Glück beim weiteren Prozess!
Moderator: Das waren 60 Minuten Chat mit Umweltministerin Tanja Gönner sowie den Experten Dr. Meike Gebhard, Vorstand von Utopia, und Prof. Dr. Christoph Fasel, Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement und stellvertretender Vorsitzender der Verbraucherkommission Baden-Württemberg. Wir danken allen Fragestellern und entschuldigen uns bei den Teilnehmern, deren Fragen aus Zeitgründen nicht beantwortet werden konnten. Das Transkript des Chats steht in Kürze auf www.wir-ernten-was-wir-saeen.de zur Verfügung.
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