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Das hält die Jugend von nachhaltigem Handeln

Einmal in den Kopf von Jugendlichen hinein schauen, um zu wissen, was die so über das Leben, die Politik und die Gesellschaft denken? Das wäre der Wunsch von so manchem Erwachsenen und vor allem von so manchen Eltern. Jedes Jahr beschäftigen sich verschiedene Studien gezielt mit der jungen Bevölkerung und wollen mithilfe wissenschaftlicher Forschungsarbeit herausfinden, was junge Menschen bewegt. Unter anderem wurden Fragen zu den Themen Umweltschutz, Klimawandel, kritischem Konsum und Bildung für Nachhaltige Entwicklung an die Studienteilnehmer gestellt. Dabei kamen interessante Ergebnisse heraus. Und auch die Jugendinitiative macht sich auf die Suche, wie man Jugendliche zu nachhaltigem Handeln motivieren kann.

Shell-Jugendstudie

Die Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2015 stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2558 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren, die zu ihrer Lebenssituation und zu ihren Einstellungen und Orientierungen persönlich befragt wurden. Außerdem wurden 21 vertiefende Interviews durchgeführt. Die Studie kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass Engagement und umweltbewusstes Handeln in den letzten Jahren wieder wichtiger geworden sind. 2015 sagten 62 Prozent, dass es wichtig sei, sich sozial und 32 Prozent sich politisch zu engagieren. 2006 hingegen waren es nur 53 Prozent (soziales Engagement) und 20 Prozent (politisches Engagement). 47 Prozent finden im Jahr 2015 (2006: 31 %), dass Bioläden „in“ sind und 65 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass man sich unter allen Umständen umweltbewusst verhalten muss (2002: 58 %).

Sinus-Jugendstudie

Dass die persönliche Einstellung und das, was die Jugendlichen tatsächlich tun, teilweise weit auseinander liegen, zeigt jedoch die Sinus-Jugendstudie von 2016. Die Forscher der qualitativen Studie führten 72 Interviews mit 14- bis 17-Jährigen durch. Drei der gestellten Fragen waren: „Wie nehmen die Jugendlichen die Themen Umweltschutz und Klimawandel wahr?“, „Zu welchem Engagement für Umwelt- und Klimaschutz sind sie bereit?“ und „Wie stehen sie zu kritischem Konsum?“.

Umweltschutz ist wichtig, das ist den Meisten klar. Vor allem, wenn es um die Gefährdung der eigenen Lebensqualität geht. Laut Sinus-Studie sind sich die Jugendlichen auch bewusst, dass schon kleine Taten im Alltag zum Umweltschutz zählen. Zum Beispiel Müllvermeidung, Recycling oder wenn Wasser gespart wird. Allerdings sind sich viele Jugendliche nicht sicher, ob das alles wirklich etwas bringt. Männliche Jugendliche und eher konservativ eingestellte junge Menschen sind hier besonders skeptisch. Der Hauptgrund, warum manche weniger tun, als sie könnten, ist angeblich fehlende Zeit.

Klimawandel ist ein schwer greifbarer Begriff. Kein Wunder, wenn von Erderwärmung gesprochen wird, aber bei uns der Sommer auffällig kalt ist. Laut der Studie ist den Jugendlichen teilweise unklar, wie die verschiedenen Faktoren rund um den Klimawandel zusammenspielen. Für viele der Befragten ist der Klimawandel ein Problem, das vor allem weit entfernte Regionen der Erde betrifft. Und je weniger informiert jemand über das Thema ist, desto gleichgültiger reagiert er auf das Problem.

Noch unbekannter ist laut der Studie der Begriff „Kritischer Konsum“ bei den 14- bis 17-Jährigen. Schließlich spielt das Thema im Schulunterricht und bei Freunden und Familie kaum eine Rolle. Am ehesten sind Probleme in der Modeindustrie bekannt. Billig-Modemarken, die unter schlechten Arbeitsbedingungen produzieren und Kinder anstellen, kennen viele durch die Medienberichterstattung. Tatsächlich wollen die Jugendlichen auch kritischer konsumieren. Andererseits sind ihnen beispielsweise beim Kleiderkonsum Preis und Aussehen wichtig, was nicht immer mit den fair produzierten Marken zusammengeht. Aus diesem Grund sind begrenzte finanzielle Mittel ein Hauptgrund, warum kaum zu nachhaltigen Alternativen gegriffen wird.

Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer

Das Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer  ist eine repräsentative Studie, die 1511 zufällig ausgewählte Personen zwischen 15 und 24 Jahren befragte. Aus den Antworten der Befragten wurden fünf verschiedene Typen gebildet, die sich hinsichtlich der Motivation, der Intention und der Handlung zu nachhaltigen Themen unterscheiden. Zum Beispiel gibt es die "Nachhaltigkeitsaffinen". Diese bilden die größte Gruppe und sind motiviert, etwas zu machen und setzten dies auch um. Dem gegenüber stehen die sogenannten "Nachhaltigkeitsrenitenten", die eher eine ablehnende Haltung einnehmen. Zwischen diesen zwei Extremen sind noch drei andere Typen. Die "Nachhaltigkeitsaktiven ohne inneren Anlass" handeln zwar, sind aber eigentlich gar nicht motiviert und nehmen sich die Handlungen auch gar nicht vor sondern handeln eher zufällig nachhaltig. Die "Interessierten ohne Verhaltenskonsequenzen" sind dagegen hochmotiviert, konnten aber bislang keine Handlungen konkretisieren, handeln also trotz Wissen über die Zusammenhänge nicht nachhaltig. Die "Lethargiker" sind träge, nehmen sich Handlungen vor, aber richtig motiviert sind sie noch nicht. In den letzten Jahren hat die Anzahl der „Nachhaltigkeitsaktiven ohne inneren Anlass“ und der „Interessierten ohne Verhaltenskonsequenzen“ zugenommen, während die anderen Typen eher abnehmen.

Einen besonderen Schwerpunkt setzt die Greenpeace Studie auf das Thema Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Die Studie ergab, dass nachhaltigkeitsbezogener Unterricht sich positiv auf das Verhalten der jungen Leute auswirkt. Allerdings entspricht nachhaltigkeitsbezogener Unterricht noch nicht den Leitlinien von BNE.

Das Thema Energiewende scheint das Nachhaltigkeitsthema schlechthin zu sein. Das Barometer fand bei seiner Umfrage heraus, dass ein sparsamer Umgang mit Energie die beliebteste nachhaltige Handlung der Jugendlichen ist. Und auch sonst wird die Energiewende nicht in Zweifel gezogen. Nach Ansicht der jüngeren Generation muss sie kommen.

So forschen wir

Auch wir erforschen das Verhältnis zwischen Jugendlichen und Nachhaltigkeit und suchen Erfolgsfaktoren, wie wir Jugendliche zu nachhaltigem Handeln motivieren können. So erstellten wir 2008 beispielsweise mit dem Forschungsinstitut Dialogik, unter Auftrag des Wissenschaftsministeriums und im Rahmen der landesweiten Nachhaltigkeitsstrategie die Studie "Wissen und Nachhaltigkeit". Dabei befragten wir über 1000 Jugendliche aus Gymnasien und Berufsschulen. Wir stellten zum Beispiel ähnlich wie die anderen Studien eine Abweichung zwischen dem Wissen über Zukunftsproblemen und dem aktiven Handeln für eine Verbesserung der Probleme fest. Mit diesem und den anderen Ergebnissen entwickelten wir schließlich unsere Webseite "Wir ernten was wir säen". Um jungen Leuten das Konzept von Nachhaltigem Handeln besser zu erklären und zum Aktivwerden anzuregen. Auch heute führen wir noch Befragungen durch, fragen Teilnehmer unserer Events, wie ihnen die Veranstaltung gefallen hat und welche Wünsche und Anregungen sie für die Zukunft haben.

Fazit

Was kann ich tun? Und was bringt das überhaupt? Verschiedene Studien haben gezeigt, dass nachhaltiges Handeln für die Jugendlichen von heute wichtig ist, sogar wichtiger als noch vor ein paar Jahren. Doch zwischen dem theoretischen Wissen, dass etwas geändert werden muss und der Tatsache, tatsächlich selbst etwas zu tun, ist ein Unterschied. Viele der jungen Leute sind sich nämlich nicht sicher, ob das Mülltrennen und Strom sparen tatsächlich etwas an dem weltweiten Zustand ändert. Schließlich machen doch noch viel zu wenige etwas für das Klima, oder?

Leider fehlt einigen der Befragten Wissen zu Themen wie Umweltschutz, Klimawandel und kritischer Konsum. Die verstärkte Anknüpfung dieser Themen an sämtliche Unterrichtsfächer in der Schule ist in diesem Zusammenhang wohl ein unvermeidbarer erster Schritt. Beziehungsweise müssen die bereits verstärkten Angebote in der Schule auch qualitativ verbessert werden.

Die hier aufgeführten Ergebnisse stammen allerdings nur aus einigen wenigen Studien und sind somit auch nur begrenzt auf „alle Jugendlichen“ übertragbar.

Dennoch denken wir, dass die Studien interessante Einblicke die Denk- und Lebenswelt junger Erwachsener geben. In den angehängten Dokumenten (siehe Link unten und Pdf-Dokumente zum Download oben rechts) kannst Du weitere Ergebnisse zu anderen untersuchten Themen wie Liebe, Religion und digitale Medien nachlesen.

Vielleicht hast Du Dir beim Lesen gedacht: „Hey, ich denke und handle ja ganz anders, als diese Studien beschreiben!“ Falls dies der Fall ist, oder Du nach diesem Artikel Lust bekommen hast,  etwas an Deiner Haltungs- oder Handlungsweise zu ändern, dann melde Dich doch einfach bei uns (carina@wewws.de)! Wir schauen dann gemeinsam, wo Du Dich zum Thema zukunftsfähiges Handeln in Deiner Nähe einbringen kannst.

Shell Jugendstudie

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