Unterwegs zu Fuß

Eine Woche zu Fuß im Remstal

Zufußgehen ist die ursprünglichste und ressourcenschonendste Form der Mobilität. Sie ist kostenlos und verursacht keine Emissionen. Doch ist es in unserer schnelllebigen Zeit überhaupt noch möglich nur zu Fuß unterwegs zu sein? Jugendbeirätin Patrica Fuchs hat eine Woche lang den Selbstversuch gemacht.

An einem Dienstagmittag beginnt mein Projekt und ich starte mit meinem ersten Gang von meinem Wohnort Winterbach nach Schlichten zum Dorfladen, wo ich arbeite. Meine Vorbereitung bestand darin zu überlegen, ab welchem Zeitpunkt ich nicht mehr unbedingt das Auto oder andere Verkehrsmittel nutzen muss, um das Projekt reinen Gewissens starten zu können. Als nächstes schaute ich im Routenplaner: wie lange werde ich denn ungefähr pro Strecke diese Woche brauchen? Laufschuhe an und ganz wichtig in dieser regnerischen Woche: Schirm einpacken!

Alleine durch den Wald

Und so ging es los: Am ersten Tag lief ich 90 Minuten vor Arbeitsbeginn los – es sind 5 km, davon 3-4 km bergauf bis Schlichten – und war nach einer Stunde schon da. Erleichterung machte sich breit! Ich kann morgens früh erst kurz vor 6 Uhr los und nicht wie befürchtet bereits um halb sechs! Ich bin ganz bestimmt keine Lerche und jede Minute zählt für mich morgens. Mein Hauptweg führt mich eine kurze Strecke durchs Dorf, dann beginnen die Streuobstwiesen und nach einer halben Stunde laufe ich auf einer Straße durch den Wald bis kurz vor Schlichten. Im Vorfeld hatte ich da großen Respekt vor, ganz alleine im Wald unterwegs, auf einer nicht viel, aber schnell befahrenen Straße, keine Menschenseele läuft da freiwillig (aber vermutlich wegen der Steigung) und etwas Angst hatte ich, dass es noch dunkel sein könnte, wenn ich da laufe. Diese Angst stellte sich aber als unbegründet heraus – es war manchmal neblig, aber nie richtig dunkel, sodass mich die Autofahrer sehen konnten und ich die Wildschweine auch rechtzeitig entdeckt hätte. Die wüten da nämlich ziemlich am Straßenrand!

Terminplanung: Absagen kommt nicht in Frage

Insgesamt bin ich in der Woche sechs Mal diesen Weg hoch und hinunter gelaufen. An einem Tag sogar zweimal, weil ich in meiner Mittagspause einen Termin in Winterbach hatte. Ehrlich gesagt kam mir gleich in den Sinn den Termin abzusagen, aber ich wollte ja einen realitätsnahen, fußläuferischen Selbstversuch machen. So waren meine Beine und ich schon am Donnerstagabend nach 2,5 Tagen zu Fuß und 35 Kilometern Strecke richtig geschafft. Allein am Donnerstag waren es nämlich 18 km!

Am Freitag hatte ich meine Arbeitsstrecke zu absolvieren und dann noch zwei Treffen nachmittags. Alles ist so abgestimmt, dass ich es fußläufig bewältigen kann. Doch wie es kommen muss, gibt es Verzögerungen im Laden und ich nehme den Service meiner Mutter in Anspruch mich mitzunehmen, da sie sowieso beim Einkauf war, damit ich meine restlichen Treffen rechtzeitig erreiche. Daheim schnell was gegessen – und den heiß ersehnten Mittagschlaf ausgelassen – und los ging`s – zu Fuß – ins 6 Kilometer entfernte Schorndorf und von dort, so der Plan, ins 9km entfernte Oppelsbohm zu einer Freundin. Doch auch in Schorndorf gibt es Verzögerungen. Als ich auf die Uhr schaue ist es bereits halb sechs und um sechs bin ich in Oppelsbohm verabredet. In einer halben Stunde schaffe ich NIE 9 Kilometer! Schnell verabschiede ich mich und laufe den nächsten Kilometer zur Bushaltestelle. Dank Bus komme ich nur 20 Minuten zu spät und muss ehrlich sagen, freue mich sehr darüber nicht laufen zu müssen! Ich bin einfach fertig...

Das nächste Problem? Wie werde ich heim kommen? Es stellt sich heraus, dass der letzte Bus um 21 Uhr fährt, toll, es ist schon 21.30 Uhr. Laufen will ich von den Berglen bei Nacht ohne Straßenbeleuchtung 2h lang auch nicht. Kai ist mit dem Auto da und bietet mir an mitzufahren. Dankend nehme ich an!

Am nächsten Morgen geht`s nämlich wieder nach Schlichten (6 km). Sechs Stunden stehen und laufen im Laden, aber ich freue mich auf den Heimweg, heute will ich nicht an der Straße, sondern den Lehenbachtalweg, entlang des gleichnamigen Baches, mitten im Wald laufen. Wunderschön! Selbst der Regen macht mir nichts aus, nur mein Schirm der Marke Billig hält diesen zweistündigen Marsch nicht durch und macht mich auf dem Weg erfinderisch, damit mein Lauftagebuch im

Rucksack nicht innerhalb kürzester Zeit komplett durchnässt ist.

Man kann viel mehr wahrnehmen

Ich habe eine laufintensive Woche hinter mir mit wunderschönen Naturerfahrungen, wie zum Beispiel dem tollen morgendlichen Vogelgezwitscher vor allem im Wald, an einem Morgen dem Kuckucksruf, der mich innehalten und lauschen ließ, einem Reh, das ein paar Meter vor mir über den Weg und davon sprang. Ich konnte am eigenen Leibe erfahren wie sehr Natur beruhigt und was für ein tolles Tempo das Gehen hat. Man kann so viel mehr wahrnehmen und die Autofahrer, die an mir vorbeirasten und allesamt gehetzt wirkten, taten mir richtig leid. Weil ich mich trotz Schweißperlen beim Aufstieg richtig gut gefühlt habe. Meine Gesichtshaut war nach drei Tagen auch wie ausgewechselt. Richtig gut durchblutet und weich – fast wie ein Babypopo :-)

Auch nach dem Projekt laufe ich noch meinen „Hausweg“

Trotz des frühen Aufstehens und der Anstrengung laufe ich auch nach dem Projekt gerne meinen „Hausweg“, weil ich fitter in den Tag starte, schon um 7 Uhr hellwach bin, was für meine Fitness und Psyche tue und auch viele soziale Kontakte pflegen kann. Beim Nachhauseweg habe ich öfter mal mit Freunden telefoniert und auch einmal Bekannte getroffen mit denen ich dann ein Stück zusammen gelaufen bin.

Man bekommt gehend so viel mehr von der Natur, der Umwelt und anderen Menschen mit, kommt eher ins Gespräch und erfährt Bereicherung durch Dinge, die einem mit anderen Fortbewegungsmitteln so nie auffallen können. Wie zum Beispiel dem tollen Summen der Hummeln im Obstbaum, das sich von weitem wie Motorengeräusch anhört und man die Ohren erst einmal ganz schön spitzen muss, bis man begreift, was da so summt und brummt.

 

In Zahlen sah meine Woche so aus:

  • 75km reine Wege gelaufen, 10km Bus, 60km S-Bahn, 12km Auto.
  • Wie fühlt man sich nach einem einwöchigen Selbstversuch bei dem man seinen Beinen alles abverlangt, um wirklich alles zu Fuß zu gehen? – Gleichzeitig sehr gut und auch sehr müde...
  • Mein Fazit: Eine super Erfahrung, Entschleunigung pur und Fitnesstraining!
  • Meine Empfehlung: Unbedingt mal selber ausprobieren – selbst wenn es nur für einen Tag ist!

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Eine Woche zu Fuß
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