Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg?

So geht’s: Massive Investitionen in die Energiewende

Das Energiesystem Deutschlands kann bis 2035 nahezu CO2- emissionsfrei werden. Der dazu erforderliche Um- und Ausbau der Energieversorgung ist schon jetzt

  • technisch möglich
  • finanziell machbar
  • sozialverträglich umsetzbar

Ende April veröffentlichten die Scientists for Future (S4F) dazu die Studie Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte.

Die Haupthemmnisse für die Energiewende liegen demnach nicht in der mangelnden Finanzierbarkeit oder technologischen Umsetzung – Geld und Technik sind also nicht das Problem. Vielmehr sind die Hemmnisse großteils strukturell bedingt. 

Strukturell?

Gemeint sind gesetzliche Regelungen. Ein Beispiel: Durch die Subventionen im KWK-Gesetz werden mit fossilen Brennstoffen betriebene KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung) bevorteilt. Insgesamt bewirken die gesetzlichen Regelungen eine Marktverzerrung, welche klimafreundliche, erneuerbare Lösungen gegenüber mit fossilen Brennstoffen betriebenen KWK-Anlagen benachteiligen.

„Die heutigen rechtlichen Rahmenbedingungen schränken die technischen Erzeugungs- und Zubaupotenziale signifikant ein und müssen daher schnellstmöglich angepasst werden,“ sagt der Erstautor der Studie, Scientist-Mitglied Christoph Gerhards.

Ko-Autor Peter Klafka ergänzt: „Mit einer Mischung aus Ordnungsrecht und einer wirkungsvollen Bepreisung sowohl von Emissionen als auch von Naturzerstörung kann die Energiewende marktwirtschaftlich und kosteneffizient umgesetzt werden. Ein Warten auf klimaverträgliche Importe ist kontraproduktiv.

150 GW Wind- und 350 GW Sonnenenergie 

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens (maximal 1,5 °C Erderwärmung) zu erreichen, muss Deutschland die Photovoltaik (PV (Sonnenenergie)) und die Windkraft ausbauen. Nach Abschätzungen der S4F sind für den Ausbau 150 Gigawatt (GW) Windenergie und 350 GW PV als Zwischenziel bis 2030 erforderlich. Derzeit sind aber lediglich 91 GW Wind und 100 GW Photovoltaik geplant. Um die Pariser Verträge einzuhalten, muss sich Deutschland ab sofort auf eine nahezu vollständige Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien bis 2035 orientieren. Das ist umsetzbar, braucht aber u.a. eine Versechsfachung der heutigen Ausbaugeschwindigkeit von Wind- und Solarkraftwerken. 

Energiewende schafft Arbeitsplätze 

Scientist-Mitglied Urban Weber schätzt die Wirkung so ab: „Durch den bis 2030 notwendigen Zubau an Erzeugungskapazitäten um ca. 300 GW Photovoltaik und ca. 85 GW On- und Offshore- Windkraft kann mit einer Zunahme um mindestens 250 000 Arbeitsplätze allein für Aufbau, Betrieb und Wartung gerechnet werden.“

Dies wird wegfallende Arbeitsplätze in der fossilen Energiebranche mehr als kompensieren. Produktion, Forschung und Entwicklung, sowie indirekte Arbeitsmarkteffekte sind hier noch nicht einbezogen. 

Fazit

Der Aus- und Umbau des europäischen Stromnetzes reduziert Speicherbedarf und Kosten erheblich. Der schnelle Umbau des Energiesystems ist weniger eine technische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Als Grundlage einer solchen Reform müssten zuerst auch die hier aktuell bestehenden politischen und rechtlichen Hemmnisse bei der Umgestaltung der Energieversorgung aus dem Weg geräumt werden.


Die Studie findest Du hier: Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte 
An der Studie haben 29 Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen mitgearbeitet. 

Scientists For Future ist ein überparteilicher und überinstitutioneller Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die sich für eine nachhaltige Zukunft engagieren. Scientists for Future bringt als Graswurzelbewegung den aktuellen Stand der Wissenschaft in wissenschaftlich fundierter und verständlicher Form aktiv in die gesellschaftliche Debatte um Nachhaltigkeit und Zukunftssicherung ein. Mehr Infos findest Du hier

Bild: © Martin Kräling, www.antigraphics.de, Berlin, CC BY-SA 4.0

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