Supermarktaktion: Biene weg. Regale leer.

PENNY räumt sämtliche Produkte aus den Regalen, die es ohne Bienen und andere bestäubende Insekten nicht mehr gäbe. 60 Prozent der Artikel sind betroffen. – Gemeinschaftsaktion von Umweltministerium, PENNY und NABU zum Weltbienentag am 20.5.2018.

Bienen sind nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier des Menschen. Weltweit sind über 85 Prozent der Wild- und Kulturpflanzen auf die Bestäubungsleistung der Bienen und einer Vielzahl weiterer bestäubender Insektenarten angewiesen. Schätzungen zufolge liegt der wirtschaftliche Nutzen von Wildbienen, Schmetterlingen und Co. im Hinblick auf die Bestäubungsleistung von Kulturpflanzen global bei jährlich bis zu 500 Milliarden Euro. Umso dramatischer ist es, dass die Anzahl und Vielfalt der Insekten in den vergangenen Jahren drastisch sinkt. 

Pestizide, Lebensraumzerstörung, Klimawandel

Beispiel Wildbienen: Von den etwa 550 in Deutschland vorkommenden Arten sind bereits über die Hälfte mindestens gefährdet, viele bereits ausgestorben. Bei anderen Insektengruppen ist diese Entwicklung ähnlich brisant. Die Ursachen für den dramatischen Insektenrückgang liegen maßgeblich in der industriellen Landwirtschaft: Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und dem Fehlen von Strukturen wie Feldgehölzen oder Ackerrandstreifen werden Insekten direkt getötet oder finden keine Nahrungsquellen mehr. Auch die zunehmende Lebensraumzerstörung oder der Klimawandel tragen ihren Teil dazu bei.

Nur noch 1.000 statt der eigentlichen 2.500 Waren im Angebot  

Um seine Kunden über die unmittelbaren Folgen des Insektensterbens zu informieren, hat PENNY in seiner Filiale am Marktplatz 5 in Langenhagen sämtliche Produkte aus den Regalen genommen, die es – in der bekannten Form – nicht mehr gäbe, wenn das Insektensterben unvermindert weitergeht. In Zahlen: Von den 2.500 Artikeln im PENNY-Sortiment sind rund 60 Prozent direkt oder indirekt von der Insektenbestäubung abhängig.

Hast Du Lust Dein eigenes Hotel zu leiten?

"Ich war schockiert als ich die Auflistung sah. Man macht sich überhaupt keine Vorstellung davon, wie viele Produkte ohne die Bestäubungsleistung der Insekten wegfallen würden. Gleichzeitig wollen wir unseren Kunden zeigen, wie vergleichsweise einfach sie sich für die Bienen engagieren können. Zum Beispiel mit Blumenwiesen oder Insektenhotels auf dem Balkon oder im Garten", so Stefan Magel, von PENNY.

Landwirtschaft vernichtet sich selbst

Die Aktion im PENNY Markt wurde gezielt im Vorfeld des ersten Weltbienentags der Vereinten Nationen (20.05.2018) geplant. "Es ist paradox, dass vor allem die Landwirtschaft in hohem Maße von Insekten abhängig ist, beispielsweise für die Bestäubung der Kulturpflanzen oder für die biologische Schädlingsbekämpfung – und zugleich als einer der Haupttreiber ihres Verlustes gilt. Wenn also zukünftig die Bestäuber geschützt werden sollen, ist ein Umdenken in der Landwirtschaft unausweichlich. Die PENNY Aktion trägt dabei einen wichtigen Teil zur Bewusstseinsbildung bei. Schließlich kann man sich die Folgen des alarmierenden Insektenrückgangs nicht oft genug vor Augen halten, da nicht nur die menschliche Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet wird, sondern auch das Funktionieren der Ökosysteme. Darüber hinaus wird einmal mehr deutlich, wie groß der Handlungsbedarf für das seitens der neuen Bundesregierung angekündigte Aktionsprogramm Insektenschutz ist", mahnt Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU).

Bienen-Massensterben wenig erforscht

Leeres Regal bei Penny – Biene weg. Regal leer.

"Die Artenzahl der Insekten hat sich in den vergangenen 20 Jahren drastisch reduziert. Besonders dramatisch ist aber der Rückgang der Individuenzahlen von bis zu 70 Prozent. Ursachen und Folgen dieses massenhaften Sterbens sind bisher nur ansatzweise erforscht. Wir brauchen daher neben einem breiten öffentlichen Problembewusstsein ein bundesweites und einheitliches Insektenmonitoring. Nur so können wir rasch Handlungskonzepte entwickeln, um diesen Trend aufzuhalten und wieder umzukehren", sagt Dr. Gerlind Lehmann, Professorin für Evolutionäre Ökologie an der Humboldt Universität zu Berlin.

Beispiel Bodensee: Landwirtschaft und Naturschutz im Einklang 

Seit 2010 engagieren sich in einem Gemeinschaftsprojekt der Bodensee-Stiftung, BirdLife Österreich, des Naturschutzbunds Deutschland e.V. (NABU) und der REWE Group (PENNY/REWE),  mittlerweile über 300 Landwirte in mehr als 20 Anbauregionen für den Schutz der Artenvielfalt im Apfelanbau in Deutschland und Österreich. 300 Hektar (entsprechen rund 420 Fußballfeldern) ein- und mehrjährige Blühflächen, über 5.500 Pflanzungen von Hecken, Bäumen und Sträuchern sowie über 2.000 Insekten-Nisthilfen bereichern heute Apfelplantagen und angrenzende Flächen. Darüber hinaus hängten die Projektpartner 6.000 Vogelnistkästen und Fledermausquartiere auf, legten 400 Totholzhaufen an und stellten über 1.000 Sitzstangen für Greifvögel auf. 

Nach der erfolgreichen Einführung des PRO-PLANET-Apfelprojektes in der Bodenseeregion erfolgte ab 2011 die Ausweitung auf weitere Anbaugebiete. Vom ökologischen Engagement profitieren auch die Obstbauern: Viele Vogelarten wirken als natürliche Helfer, weil sie schädigende Insekten oder Mäuse vertilgen. Wildbienen, Käfer, Fliegen und Schmetterlinge sichern zudem die Bestäubung der Apfelblüten. Das Projekt zeigt, dass Landwirtschaft und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen: Im konventionellen Apfelanbau ist das Potential zur Förderung der biologischen Vielfalt groß. Ab 2018 wird das Projekt auf Kartoffeln und weiteres Gemüse ausgedehnt.

Wo sind all die Bienen hin? / NABUWeltbienentag / Deutsches Bienen-Journal

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