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Vertical Farming

HINTERGRUND

In Deutschlands Großstädten herrscht seit ein paar Jahren ein hipper Trend. „Urban Gardening“ – also das Bepflanzen von Stadtflächen zum Beispiel durch die Begrünung von Balkonen und Innenhöfen – wurde zum Innbegriff vom trendigen Öko-Leben in der modernen Stadt. Während Urban Gardening vor allem einen Lifestyle widerspiegelt, wird in fernen Teilen der Welt versucht, mittels Vertical Farming Lebensmittel in Städten zu produzieren.

Die Bevölkerung der Erde wächst. Das heißt, immer mehr Menschen müssen mit Lebensmitteln versorgt werden. Der Klimawandel und die Urbanisierung erschweren dies. Doch der technologische Fortschritt und die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft bieten interessante und kreative Lösungsansätze für einen Teil der Probleme. Vertical Farming („Vertikale Landwirtschaft“), so zum Beispiel, verspricht, die benötigte Fläche für den Anbau von Nahrungsmitteln zu reduzieren und die Transportwege zu verkürzen. Im folgenden Artikel wollen wir uns anschauen, was die Vor- und Nachteile dieser Methode sind und wie uns Vertical Farming in Deutschland betreffen könnte.

Die Story

Der Wissenschaftler Dickson Despommier unterrichtete an der Columbia University in New York. Gemeinsam mit seinen Studierenden kam er zum Entschluss, dass es Zeit für eine positivere Denkweise in Hinblick auf das Ernährungsproblem der Weltbevölkerung ist. Sie überlegten, sämtliche Hausdächer in New York zu bepflanzen, um so das Problem zu lösen, dass es in der dichtbesiedelten Großstadt kaum Platz zum Anbau von Pflanzen gibt. Allerdings wären mit diesem Lösungsvorschlag nur zwei Prozent der Gesamtbevölkerung in New York versorgt worden. So entwickelte die Gruppe 1999 die Idee, vertikal zu pflanzen, um mehr Pflanzen auf der gleichen Grundfläche anzubauen. Die Idee des „Vertical Farming“ war geschaffen.

Vertical Farming ist die Produktion von pflanzlichen und tierischen Produkten innerhalb der Stadt in mehrstöckigen Gebäuden. Die Methode ist eine Art der urbanen Landwirtschaft. In den Gebäudekomplexen werden auf mehreren übereinander gelagerten Ebenen das ganze Jahr Obst, Gemüse und beispielsweise Algen angebaut. Die Bewirtschaftung findet unter Gewächshausbedingungen und basierend auf Kreislaufwirtschaft und Hydrokulturen statt. Die Pflanzen werden hierbei von LED-Lampen beleuchtet.

Bis zu 30 Ernten pro Jahr

Wie bei den meisten neuen Technologien, die in den Alltag und die Kultur der Menschen eingreifen, streiten sich Befürworter und Gegner über den Wert von Vertical Farming.

Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Das bedeutet, dass immer mehr Lebensmittel zu ihnen gebracht werden müssen. Das ist wiederum schlecht für die CO2-Bilanz. Befürworter sehen daher in Vertical Farming eine Chance, Städte auf kürzestem Weg mit lokal angebauten und frischen Nahrungsmitteln zu versorgen. Bei wachsender Weltbevölkerung wird zwangsläufig mehr Fläche für Wohnen, Fabriken und vor allem Nahrungsanbau benötigt. Selbst Suffizienz-Bestrebungen können den Flächenverbrauch höchstens bremsen, jedoch nicht stoppen. Darunter leiden zum Beispiel Regenwälder, die für Flächengewinn gerodet werden müssen. Vertical Farming stellt hier eine effiziente Lösung dar, um Fläche besser zu nutzen. Aufgrund der Kultivierung in einem Gebäude werden außerdem keine Pestizide benötigt. Ernteausfälle aufgrund von Starkregen oder Trockenheit fallen weg.

Auch wirtschaftlich betrachtet bietet Vertical Farming Vorteile gegenüber der Feldwirtschaft: Durch die kontrollierten Umweltbedingungen werden konstante Ernten erreicht. Darüber hinaus wachsen die Pflanzen durch die effektive Nährstoffzufuhr schneller. Das schnelle Wachstum und die kontrollierten Wetterbedingungen ermöglichen laut Betreiber der Farmen bei manchen Pflanzen bis zu 30 Ernten im Jahr, im Vergleich zu zwei bis drei in der Feldwirtschaft. Wobei hier ergänzt werden muss, dass dies nicht für alle Pflanzen gelten kann.

Der Erfinder Despommier spricht in seinem 2010 erschienen Buch „The Vertical Farm: Feeding the World in the 21st Century“ sogar davon, dass durch Vertical Farming der herrschende Hunger der Welt gestillt werden könne. Insbesondere meint er damit, dass vertikale Farmen das Verteilungsproblem lösen können. Denn eigentlich haben wir genug Nahrungsmittel auf der Welt. Doch während wir in Deutschland jährlich Tonnen an Lebensmitteln wegwerfen, haben die Entwicklungsländer zu wenig zu essen. Ob vertikale Farmen verstärkt in Entwicklungsländern und dann zu einem bezahlbaren Preis angebaut werden, ist jedoch ungeklärt.

Noch viele Fragen offen

Kritiker sehen das ein wenig anders. Am häufigsten kritisieren diese den hohen Energieverbrauch, der durch die Beleuchtung hervorgerufen wird. Die Mehrkosten, die für die künstliche Beleuchtung und andere operative Arbeiten in der vertikalen Landwirtschaft anfallen, sollen den Nutzeneffekt durch die räumliche Nähe von Produktion und Konsum wieder nivellieren.

Wenn sich das Vertical Farming durchsetzt, werden weitere Fragen aufkommen: Was passiert mit dem klassischen Beruf des Landwirts? Welche Auswirkungen hat diese Anbauweise für das gesamte Ökosystem? etc.

 

DAS KANNST DU TUN

Vertical Farming ist bereits in einigen Städten der Welt zu finden. So zum Beispiel auch in kleinem Maßstab in Berlin. Das Jungunternehmen „infarm“ baut effiziente Farmmodule mitten in Berlin. Die produzierten Lebensmittel können im Betriebsrestaurant verköstigt werden.

Während Urban Gardening mittlerweile überall in Deutschlands Städten zu finden und bei vielen Bürgern bekannt ist, hat sich Vertical Farming in Deutschland noch nicht etabliert. Schließlich haben wir weder ein starkes Bevölkerungswachstum noch Nahrungsmittelknappheit.

Genau lässt sich noch nicht sagen, ob Vertical Farming die Landwirtschaft unserer Zukunft sein wird. Fest steht, dass die Idee spannend ist und bereits in Teilen der Welt umgesetzt wird. Also bleibe an diesem Thema dran – denn das wird uns noch weiter beschäftigen!

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