Strom aus Wasserkraft beinhaltet ein Paradox: Er gilt als in Deutschland förderungswürdige erneuerbare Energie und klimafreundlich, dennoch ziehen gerade internationale Großprojekte weltweiten Protest auf sich. Eine Frage des (Aus-)Maßes und des Umgangs mit den ökologischen und sozialen Problemseiten der Technik.
Wasserkraftwerke gelten wegen ihrer Monumentalität besonders in Schwellenländern als nationale Errungenschaften – das Wappen Nordkoreas bildet ein Wasserkraftwerk mit Strommasten ab, auf der 100 Som – Banknote Kirgistans ist der Toktogul, der wohl tiefste Stausee der Welt, dargestellt.
Die Oberfläche des Stausees Itaipu beträgt fast das Dreifache der Oberfläche des Bodensees. Die Staumauer ist 196 Meter hoch. Zum Vergleich: Der Brocken im Harz hebt sich ca. 500 Höhenmeter aus seiner Umgebung ab.
Für den chinesischen Drei-Schluchten-Damm, einen der größten Staudämme der Welt, wurden 13 Städte überflutet. Nach Schätzungen mussten ca. eineinhalb Millionen Menschen umgesiedelt werden. Zur Verteilung seiner elektrischen Energie wurden über 9000 Kilometer Stromleitungen verlegt – das entspricht beinahe dem Durchmesser der Erde.
Bei der Anlegung von Stauseen werden beim ersten Aufstauen oft große Mengen von Bäumen und Pflanzen überflutet, die dann unter Wasser bei der Verrottung große Menge klimaschädlichen Methans produzieren. Zur klimafreundlichen Inbetriebnahme eines Stausees müsste daher der Stauraum vor dem Aufstauen geräumt werden, was in ärmeren Ländern aber oft aus Aufwandsgründen unterlassen wird.