Partizipation und Akzeptanz

Stromversorgung: unverzichtbar aber niemals voll akzeptiert
 

Die Stromversorgung ist eines der wichtigsten Elemente einer modernen Industriegesellschaft. Kommt sie nur temporär zum Erliegen, herrscht Ausnahmezustand. Die öffentliche, mediale Kommunikation, die wirtschaftliche Produktion und große Teile des Transits verlaufen ebenso vollelektronisch wie der überwiegende Teil des Privatlebens, aus dem Strom verbrauchende Maschinen nicht mehr wegzudenken sind. Das Stromnetz ist auch ein „soziales Netz“, wir alle sind auf mehrfache Weise daran angeschlossen.

Gleichzeitig treffen die unterschiedlichen Weisen der Stromerzeugung nicht auf ungeteilte Akzeptanz. Eine völlig unumstrittene Technologie in diesem Feld gibt es schlichtweg nicht, die Ausbeutung aller verfügbaren Energieträger hat jeweils Teile der Gesellschaft aus unterschiedlichen Gründen gegen sich. Die hauptsächlichen Kritikpunkte sind je nach Energieträger sehr unterschiedlich. So wird bei Strom aus Kernspaltung die Entstehung radioaktiver Abfälle und gesundheitliche Risiken durch mögliches Entweichen von Radioaktivität kritisiert.Kohlekraft und in geringerem Umfang auch Energie aus Erdgas sind mit den Problemen einer endlichen Ressource und der gegenwärtig starken Emissionen, vor allem des klimaschädlichen CO2 konfrontiert.Wasserkraft wird, vor allem im internationalen Kontext, wegen der großen Eingriffe in Landschaft und Ökosystem bemängelt.Biomasse kämpft mit dem Vorwurf einer Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Geothermie weckt Befürchtungen seismischer Erschütterungen. Onshore-Windkraft wird wegen des Eingriffs in die Landschaft, ihrer „Verspargelung“ durch Windräder angegriffen und Solarenergie – wie auch die Zukunftsoption Fusionskraft – wird für ihre hohen Kosten kritisiert.

Manche dieser Kritiken betreffen größere, volkswirtschaftliche Zusammenhänge, andere treffen eher regional zu und werden vor allem von direkten Anwohner von Kraftwerken geteilt. Historisch wurden deshalb die Kritikpunkte auch mit unterschiedlicher Stärke und Reichweite vertreten, von der lokalen Bürgerinitiative etwa gegen einen Stausee bis hin zur länderübergreifenden politischen Bewegung der Atomkraftgegner.

Die Stromversorgung stellt also die Gesellschaft vor ein gewisses Dilemma: Unverzichtbar ist sie zum einen, niemals voll akzeptiert oder sogar vehement abgelehnt sind ihre zahlreichen Quellen zum anderen.


Bürgerbeteiligung

Man könnte daraufhin annehmen, eine Weise, die gesellschaftliche Akzeptanz von Energieformen auszudrücken und zu gewichten sei der Markt. Wer etwa nur Strom aus erneuerbaren Quellen akzeptiert, sollte auch nur solchen Strom beziehen, die Transparenz dafür ist auf dem Strommarkt bereits gegeben. Aber die Möglichkeit zum „Referendum durch Konsum“ ist nicht allen gleichermaßen gegeben, sie wird durch die Kaufkraft unterschiedlich begrenzt.

Der Weg, der inzwischen immer mehr von der Politik und vielen Energieversorgern beschritten wird, heißt Partizipation. Mit modernen Beteiligungsverfahren kann heute versucht werden, alle relevanten gesellschaftlichen Akteure in ein gemeinsames Verfahren einzubinden, das strukturiert zu gemeinsamen Ergebnissen kommen und an Politik und Energieversorger fundierte und weithin akzeptierte Empfehlungen aussprechen kann. Mit Mediationen (moderierte Gespräche zwischen Konfliktparteien zur Findung einer akzeptablen Lösung), Fokusgruppen (moderierte Diskussionen in Kleingruppen), Dialogen von Interessensvertretern und Expertenhearings werden heute etwa Neubauten von Kraftwerken vorbereitet und ergebnisoffen aus allen Perspektiven analysiert. In offenen Foren suchen Energieversorger auch über konkrete Anlässe hinaus den Kontakt zu Anwohnern wie zu Bürgerinnen und Bürgern allgemein.

Aber auch die abstrakten Kernthemen der Strom- und Energieversorgung können mit Hilfe von Beteiligung durch Bürgerinnen und Bürger langfristig fundierter, informierter und akzeptierter entschieden werden. So war die zukünftige Ausrichtung der deutschen Forschungspolitik selbst schon Gegenstand eines breit angelegten gesellschaftlichen Dialogs.

Beteiligung ist schlicht ein Versuch, das durch und durch gesellschaftliche Thema der Stromversorgung an die Gesellschaft zurückzugeben oder zumindest für die Bürgerinnen und Bürgern weiter zu öffnen. Letztendlich ist auch das Energiespiel eine Weise, sich experimentierfreudig und mit eigenen Ideen und Szenarien am öffentlichen Energiediskurs zu beteiligen.

 
Verknüpfung zum Spiel

Im Spiel selbst kannst Du die Vorteile von Beteiligung aus Sicht eines Energieversorgers erleben. Du hast die Wahl, bei Neubauten von Kraftwerken Beteiligungsverfahren zu initiieren. Dies kostet Geld, verschafft aber dem Kraftwerk letztlich eine höhere Akzeptanz. Du kannst zur Soziologie der Energieversorgung auch Forschungen anstellen – ein Vorteil davon ist, dass Du ab einem bestimmten Punkt automatische Beteiligungsverfahren bei allen Kraftwerksbauten erhältst. Erforsche die Möglichkeiten des Dialogs!

Ratgeber
Energiespiel

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Bürgerbeteiligungsspiel

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